Staffel 1
Die 00er-Goldgrube
In einer fairen Welt hätte das ZDF mit „Chabos“ eigentlich auf Seriengold stoßen und einen der größten Fernsehhypes des Jahres auslösen müssen. Okay, ich habe etwas die rosarote Brille auf, weil ich genau in diese Generation falle (88er-Baujahr), von der diese Serie handelt. Aber auch ohne diese Nostalgie und unkaputtbaren Jugenderinnerungen halte ich „Chabos“ für eine absolute Ausnahmeserie aus dem deutschsprachigen TV-Programm. Erzählt wird von einem Mit-30er, der im Heute über Umwege auf sein Klassentreffen in einer Woche „hinarbeitet“ - und uns dabei über den entscheidenden „Sommer 2006“ mit seiner damaligen Clique berichtet…
WM, Wodka-O, Weiber und Wahnsinn
Zelebrierung und Dekonstruktion (m)einer ganzen Generation… „Chabos“ hat mich in mehrfacher Hinsicht hart getroffen. Unfassbar hart. Emotional, inhaltlich, atmosphärisch. Die Musik und die Männer, die Jungs und die Jugendsünden, die 00er und die Nostalgie, der Fremdscham- sowie Wohlfühlfaktor. Eine der coolsten Produktionen des ZDF seit langer Zeit, gar keinen Zweifel daran! Manch ein Dialog legt seine Gewolltheit und Steifheit nicht ganz ab. Mitsamt dem dauernden immer noch „angesagten“ Brechen der vierten Wand. Und auch nicht jeder der Darsteller - egal ob jugendlich oder erwachsen! - wirkt problemlos und komplett natürlich. Aber insgesamt hat mich „Chabos“ volle Kanne bekommen. Von „Saw II“ bis zum Komasaufen, von Kickboards bis zum N64, von Napster bis No Angels, von Klose bis Kings Cup, von „Britt“ bis zum „Familienduell“ - einfach eine Ära für sich! Die Story rund um das Klassentreffen und wer Peppis Namen denn nun gestrichen hat ist nichts super Besonderes, egal ob im Heute oder im Damals. Auch den damit einhergehenden Cliffhanger ganz am Ende hätte ich jetzt nicht unbedingt gebraucht. Aber wenn man so ein heftiger Vibe ist wie „Chabos“, dann spielt das kaum eine Rolle. Das ist eine gigantische Goldgrube und ein böser Throwback für jeden zwischen 30 und 40 - das schwöre ich auf deine Mutter! Die Marken und Namedrops und kreativen Kleinigkeiten, Stilpunkte, Vignetten wollen kaum enden. Die ca. 30 Minuten Laufzeit pro Folge sind perfekt. Die Figuren wachsen einem ans Herz. Es wird bei weitem nicht alles beschönigt, eher im Gegenteil. Und ich glaube, es gibt kaum eine Serie, die sich momentan krasser zum Bingen für meine Generation eignet. Was für Jahre, was für eine Zeit, was für eine Generation… Und, hat's uns geschadet?! ;)
Fazit: Nach minimaler Eingewöhnungsphase wird einem schlagartig klar… Das ist eine der (peinlich-)coolsten und selbstreflektiertesten Serien seit Ewigkeiten aus Deutschland. Und wenn man damals ebenfalls irgendwo zwischen 12 und 20 war, gibt's schlicht keine einzige Ausrede „Chabos“ nicht umgehend zu gucken! (9/10)