Darren Aronofskys Filmografie und die Qualität seiner Werke kann man diplomatisch ausgedrückt als „heterogen" bezeichnen. Von intensiven Paranoia-Thrillern (PI, BLACK SWAN) über Sozialdramen (THE WRESTLER, THE WHALE) bis hin zu religiös-prätenziösem Kitsch (THE FOUNTAIN, NOAH, MOTHER!) reicht die Bandbreite. Jetzt hat er sich unerwarteterweise an einem einfachen Genrefilm versucht, ein Gangster-Thriller ganz ohne tiefere Bedeutungsebene und symbolische Überfrachtung – und damit einen seiner besten Filme seit Jahren abgeliefert.
CAUGHT STEALING spielt im New York des Jahres 1998 und Aronofsky scheint auch filmisch an dieses Jahr anzuknüpfen. Der Film kommt daher wie eine Mischung aus den Coen Brothers und Guy Ritchie, bringt verschrobene Typen wie Punks und Penner, mordende Rabbis und durchgeknallte Russenmafiosi zusammen mit liebenswerten Losern und einer widerstandsfähigen Katze – LOCK, STOCK & THE BIG LEBOWSKI. Wobei Aronofsky auch nicht vor der Brutalität und Grausamkeit eines NO COUNTRY FOR OLD MEN zurückschreckt. Es wird ziemlich schnell klar, dass der Film keine Gefangenen macht, aber schließlich hat der Regisseur mit REQUIEM FOR A DREAM ja auch den wahrscheinlich niederschmetterndsten Film aller Zeiten gedreht.
Die Story ist ebenfalls ein Best of bekannter Szenarien: Barkeeper Hank wird durch eine Verkettung unglücklicher Umstände in die Auseinandersetzung zweier übler Gangs hineingezogen, es geht um Drogenhandel und sehr viel Geld und die Situation für Hank wird immer noch schlimmer.
Austin Butler qualifiziert sich hier nun endgültig als der neue Brad Pitt und zeigt, dass er deutlich mehr drauf hat als den Pretty Boy (auch wenn er des Öfteren ohne Shirt durchs Bild stolpert). Zoë Kravitz ist bezaubernd als Hanks resolute Freundin und zeigt sich erstaunlich freizügig für einen heutigen Hollywoodfilm (aber es wird hier ja auch geraucht). Liev Schreiber und Vincent D‘Onofio sind unter ihren Rabbinerbärten kaum wiederzuerkennen, Carol Kane und Laura Dern geben wunderbare Mini-Cameos.
Aronofsky inszeniert den temporeichen Thriller, als hätte er nie etwas anderes getan und lässt auch genug Raum für etwas Humor und ernsthaftes Drama, der Soundtrack der Post-Punker IDLES treibt den FIlm voran, sogar der Abspann macht Spaß. Insgesamt also ein überraschend unterhaltsames Kino-Highlight für Fans von schwarzhumorigen, harten und leicht schrägen 90er-Thrillern.
7.5/10