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90s wie ein Fax

Trotz ein paar Flops wie „Noah“ und umstrittenen romantischen Verstrickungen mit seinen Schauspielerinnen hat Darren Aronofsky seinen Funken Genie und Besonderheit nie wirklich verloren. Vor allem weil er meist sein eigenes Ding gemacht und seine Stimme gefunden hat. Selbst wenn er streng genommen nie wieder auf allerhöchstes „Requiem For a Dream“-Niveau kam, nie wieder dermassen radikal und klar war. Aber er ist wie gesagt nie allzu sehr Trends oder Zeitgeist gefolgt. Genauso wenig wie dem Ruf der ganz großen Hollywoodretorte und des Dollars. Seine künstlerische Vision war immer da. Das rechne ich ihm alles hoch an. Doch nun weicht er davon etwas ab und orientiert sich mit „Caught Stealing“ am schnippischen Gangsterkino der 90er, näher an Ritchie, Tarantino oder Boyle als an seiner eigenen DNA. Eine Würdigung von Weggefährten und Vorbildern? Oder eher uninspirierter Abklatsch? In dieser scharfen und schwarzen Unterweltkomödie wird ein ehemaliger Baseballspieler und Alkoholiker ins kriminelle New Yorker Zwielicht der 90er gezogen… 

Baseball, Dame, Whiskey, Gas

Ein gutes Stück verlässt Aronofsky mit „Caught Stealing“ wie gesagt seine Komfortzone und seine sonst eher anstrengende, trist-traurige Art - was glaube ich nicht Wenige ganz gerne feststellen werden. Trotz einiger Boshaftigkeiten und Düsternis und dreckigen Ecken von NYC wirkt „Caught Stealing“ für einen Aronofsky doch ziemlich lockerflockig aus der Hüfte geschossen. Die Details der späten 90er sind beeindruckend, Austin Butler hat enorm Starpower, Charisma und starke Instinkte, die Verbindungen zu Scorseses Geheimtipp „After Hours“ sind nicht nur durch Griffin Dunne glasklar, es gibt viele coole Songs aus der Zeit, ein paar handfeste, solide choreografierte Autoverfolgungsjagden, das New York dieser Zeit ist fast selbst Protagonist und die neo noir'ische Krimistory schlägt insgesamt konstant genug Haken um einen gut bei der Stange zu halten. Die tonalen Balancewackler sehe ich fast eher Unberechenbarkeit verströmend als Stärken. Und als i-Tüpfelchen gibt's eine der cooleren Filmkatzen seit langem. „Caught Stealing“ könnte auch sehr gut aus dem Fahrwasser der ganzen Tarantino-Copycat-Welle nach „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“ stammen - und da wäre er ganz sicher einer der besseren. Damals wie heute. Selbst wenn die ganz großen Innovationen, im Sinn bleibenden Highlights und die originäre Coolness vielleicht fehlen bzw. es nicht ganz mit den Besten dieses Fachs mithalten kann. 

Fazit: gelungener Throwback oder halbgares Ripoff? Von beidem etwas. Ich tendiere jedoch eher zur positiven Seite und hatte weitestgehend eine gute Zeit. Ohne dass „Caught Stealing“ je wirklich bleibend zu seinen Vorbildern und Kommilitonen aufschließt. Wenn man genau hinguckt ist’s dann vielleicht doch irgendwie mehr ein Aronofsky als man meint. 

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