"How many extra clips you got?" - "I thought you didn't like guns?" - "I don't like condoms either, but I ain't stupid."
Neben Busenfreund Adkins und vielleicht Zaror (und dem älteren Lundgren) ist Michael Jai White noch der eifrigste Kampfsportdarsteller, der seine Karriere trotz Schmalhans Küchenmeister als Finanzier eigens vorantreibt, sich auch mal um die Produktion kümmert, um das Drehbuch oder gar die Regie, der auch nicht zu schade ist für Kleinrollen, aber natürlich selber gerne in die Offensive, in das Frontale geht. Hier gehalten unter Samuel Goldwyn Films und seiner eigenen Produktionsfirma, der im Training bleibt und sich in der Öffentlichkeit gerne zeigt, ein Auftrag steht an, eine neue Mission, ein Eintreiben von Schulden ist es nicht, es ist ein häuslicher Disput, der geklärt werden, der Gegenüber ein Stier von Mann; für Geld wird (fast) alles getan. Das Ni****-Wort fällt, nicht der erste Fehler vom Gegner, ein ordentliches 'Tier', ein 'Pumpenhannes', es gibt einen ersten Kampf, ein paar Luftschwinger, ein paar Treffer und Beinkicks vor allem die letzteren waren besser, die Luftschwinger nicht so schön:
Jaxon [ Michael Jai White ], der Mann für das Grobe, wird vom Musikstudiobesitzer Barnes Holden [ Orlando Jones ] engagiert, dessen verschwundene Sängerin Jahari [ Alani Anthony ] ausfindig zu machen und zurückzubringen, dazu wendet er sich unter anderen an deren Freund Money [ Ciff "Method Man" Smith ] und seinen alten Kumpel Ree Ree [ Mike Epps ]. Als noch die Asiaten unter Führung von Yuen Song [ Levi Tran ] und deren Bodyguards Fang [ Noah Fleder ] und Lung [ Theodore Park ] auftauchen und Interesse an der Angelegenheit zeigen, wird auch Jaxons auferblühte Flamme Gian [ Gilian White ] mit in die zunehmenden Turbulenzen hineingezogen, was dem 'Trouble Man' so gar nicht passt.
Nach der MMA-'Klasse' im Fitnessstudio ist die Hauptfigur eingeführt, die Titel können kommen, ein Privatdetektiv am Herumstreifen, am Brötchenverdienen, am sich selber gestalten und ausbreiten, nach fremden Drehbuch, aber in eigener Inszenierung gehalten. Black Exploitation Cinema, ein Rückblick auch auf die Siebziger, hier in modernder Inszenierung und im Hier und Jetzt gehalten, aber mit dem Wissen und die Tradition und die Herkunft, ein Actionkrimi angeleiert, der Trouble Man mit unterschiedlichen, mit abweichenden Aufgaben, mal Gast, mal Gastgeber, mal Türsteher, mal humoristisch gehalten, mit spielerischer Attitüde, auch als Komödie im Gestalten, als easy-going, mit dem Wissen um den leichten und den schwierigen Humor, beides am Inszenieren, "But Times changed." Gespräche werden auch gesucht, natürlich, man braucht eine Prämisse, mehr als eine Figur, mehr als (der gelungenere) A Low Down Dirty Shame (1994), man braucht seine Füllung und Erfühlung und Erfüllung, sein Drehbuch, es wird über früher und über das jetzt geredet, White als Fixer hier, mal als Anwalt angedacht, in die Richtung geschielt, nun auf anderen Wegen; trotzdem mit einem ordentlichen Loft gehalten, die "odd jobs" haben sich bezahlt gemacht, ein bisschen Wing Chun an der Holzpuppe geübt, plus zum Training und als Vorspiel eine zweite Martial Arts Sequenz.
Die Zeit vergeht hier auch ohne Hoch- oder Höchstspannung, bald stehen aber die Goons in der Wohnung, mit der Pistole in der Hand, "Action Jaxen" bekommt einen neuen Auftrag angeboten, er beantwortet es auf seine Art und Weise, er nimmt den Auftrag trotzdem oder gerade deswegen an, er war mal der Bodyguard der verschwundenen Dame, er hat persönliches Interesse hier, es wird sich Sorgen gemacht, das erste Drittel mit dem Aufbau der Geschichte verbracht, sich an die Operation gemacht, trotz Verschwiegenheit des Auftraggebers, trotz Geheimnistuerei, eine mysteriöse Geschichte im Aufbau, ein P.I. Plot, die Spuren von A nach B nach C gegangen, zwischendurch sich mit anderen Ärgernissen abgeplagt, die Handlung gefüllt, entspannt angegangen. Inszeniert ist das hemdsärmelig, möglichst einfach, "Kungfu and shit, right?", manchmal werden Anrufe gemacht, manchmal die Waffen ausgepackt, manchmal geflüstert, manchmal geschrien, es wird Superfly erwähnt ("Hey look, hey remember Superfly? Ron O'Neal was trying to get out of the drug game." - "This ain't no fucking movie nigga." - "You look, I ain't with that nigga shit." und Jim Kellys Black Belt Jones a.k.a. Freie Fahrt ins Jenseits (1974), man kennt seine Referenzen, man ist etwas davon entfernt, die Zeiten sich geändert, ohne Dringlichkeit gefilmt, es wird geflirtet, darüber die Informationen bezogen (oder auch nicht), vieles ist weniger wichtig, es wird nicht auf Tempo gegangen, man bleibt entspannt, relaxed im besten Sinne, manchmal wird sich auch im Kreise gedreht, dann ein Drive-by orchestriert, einen der Schützen vom Motorrad gekickt.
Die Angelegenheit wird brenzliger, in einem chinesischen Club ein Aufruhr veranstaltet, mit Ernst und Albernheit gespielt, die eigenen Fähigkeiten in Sachen Körperbeherrschung und Kraft und Akrobatik zelebriert. Über viel Geld hat man damals und heutzutage erst recht nicht verfügt, man macht das Beste draus, nimmt das Ganze nicht zu wörtlich, es wird humoristisch bespielt, mal auch in Sachen Slapstick ausprobiert, eine Sketchparade während einer Befreiungsaktion, White weiß um die richtigen Tricks, die richtigen Knöpfe zu drücken, um den entsprechenden Unterhaltungswert, mal die Action, dann die Absurdität. Da man ca. zu Beginn des letzten Viertels scheint beendet zu sein, erwartet man trotz offenkundig schmalen Talers als Budget noch einiges vom Filmemacher White, einen richtigen Showdown bspw., etwas Spektakuläres (wie eine Parkhausschießerei und ein 'Häuserdach'finale; was sichtlich schlecht hineinkopiert wurde, aber wenigstens die Kampftechniken sind echt), abseits der vielen Referenzen, von denen Trouble Man (1972) übrigens keine ist, die Geschichte komplett anders gehalten, Action Jackson wird dafür auch in der richtigen Schreibweise erwähnt. Es kommt auch, wie es kommen sollte, noch etwas Beinarbeit und Mano-a-Mano Gedöns.