Live and let live
Natasha hat Schulden und Zahnschmerzen, ist permanent gereizt, kokst, trinkt, mag keine Hunde und arbeitet als Immobilienmaklerin. Nicht gerade die ideale Sympathieträgerin für einen Film. Aber da Natasha bei der Kreditaufnahme nicht gerade wählerisch war, trifft sie bald mit Typen zusammen, die noch größere Arschlöcher sind als sie. Und die zwingen sie nun, Babysitterin für ein Kidnappingopfer zu spielen – auch noch ausgerechnet ein Wettbewerber auf dem Immobilienmarkt. Als ihr die Situation über den Kopf wächst, macht sie sich in Londons Unterwelt auf die Suche nach einem alten Bekannten – dem „Viking“ (Mikael Persbrandt, der freundliche Klempner aus SEX EDUCATION).
Gerard Johnsons Filme (TONY, HYENA) sind kleine dreckige Thriller, grobkörnig, aber visuell interessant, musikalisch untermalt von den düsteren Soundscapes seines Bruders Matt (aka The The). ODYSSEY reiht sich hier organisch ein. Polly Maberlys Performance ist sehr intensiv, die Kamera bleibt die meiste Zeit ganz eng an ihr, insbesondere die nervöse erste Hälfte mit ihren improvisiert wirkenden Dialogen und dem semi-dokumentarischen Stil ist so wirklich fesselnd, obwohl gar nicht viel passiert.
Interessanterweise wird der Film deutlich schwächer, als seine Crimestory überhandnimmt. Es ist schlichtweg nicht nachvollziehbar, zu welchem Zweck die Entführung dienen soll, der Kipp-Punkt, zu dem sich Natasha veranlasst sieht, den Wikinger ins Spiel zu bringen, ist überhaupt nicht ausreichend motiviert und das unangemessen brutale Finale einfach nur unnötig und selbstzweckhaft.
So verrückt es klingt, ODYSSEY wäre als reines Real Estate-Drama der bessere Film geworden.