Ein trojanisches Pferd
Gerard Johnson ist ein stylischer, aber doch eigensinniger und betonharter Thrillerregisseur. Britisch, bitter, böse. Und auch mit seinem neuesten Unterweltkrimi macht er kaum Kompromisse oder Eingeständnisse Richtung Mainstresam. „Odyssey“ erzählt von einer gebeutelten und recht unterkühlten, unsympathischen Immobilienmaklerin in London, die in die dortige Unterwelt abrutscht und diese (in einem unerwartet und etwas unverdienten Blutbad im Finale) quasi von innen filetiert…
Viel Koks, wenig Genre
„Odyssey“ wirkt teilweise wie eine bemühte Mischung aus sowas wie „American Psycho“, „Kill List“ und Johnsons sonstigem Output - die sich nur leider arg zieht und schwer aus dem Quark kommt. Da reißt's ein Massaker im Finnish auch nicht mehr raus. Stylisch? Ohne Frage. Britisch? Yes! Bitter? Definitiv. Alles Merkmale von Johnson. Aber es nutzt sich in „Odyssey“ doch sehr schnell ab. Einen Film mit unsympathischen Figuren zu machen ist eben eine besondere Herausforderung, die hier oft nicht bestanden wird. Man leidet nicht wirklich mit. Man taucht nur mit, nie ein. Es ist moody aber auch manisch. Man versteht das Genuschel oft schwer (auch durch eine absichtlich miese Tonmischung), die Befriedigung der Figuren am Ende wirkt unbefriedigend für den Zuschauer. Daher kann ich „Odyssey“ nicht empfehlen. Obwohl ich solche neo noir'ischen, neongetränkten Teufelskreise eigentlich mag. „Odyssey“ verhält sich jedoch wie eine verstopfte Ketchupflasche direkt in deinen Schoß… Und so ließ sich noch nie gut Pommes essen!
Flynn, die Unprofessionelle
Fazit: stilvoll und doch lange Zeit sehr redundant, trocken, kalt. Nuschelnd und unnahbar. Das hat mir Zugang und das letzte Fünkchen Sympathie geraubt. Mehr „Viking“ hätte es gebraucht…