Review

Musiker-Biopics sind natürlich immer ein Stück weit Fan-Sache und bei Bruce Springsteen bin ich bisher leider, bis auf die bekannten Lieder, eher unwissend. Vor den Darstellern solcher Rollen immer größten Respekt, vor allem wenn sie tatsächlich musikalisch performen. Ja, das ist hier der Fall, mit Jeremy Allen White werde ich dennoch nicht ganz warm. Ich kann Mimik, Gestik und den generellen optischen Ausdruck des Charakters der Vorlage nicht exakt einschätzen, aber es fühlte sich nach Schauspiel an. Allerdings eines, bei dem man merkt, dass sich der Darsteller voll reinhängt, Stichwort Interpretation. Nicht nur deswegen bin ich mit der Laufzeit in das Werk hineingewachsen, sondern weil es nicht das laute und glitzernde Biopic eines Rockstars ist, nach dem die Menge vermeintlich primär dürstet, sondern langsam, melancholisch, sperrig, düster und tatsächlich persönlich. Entertainment ist mit Oberflächlichkeit gleichzusetzen, oder nicht? Hier werden viele den Abspann erwarten oder gar nicht erleben, wer will schon statt von Partys, Groupies, Ruhm und Exzessen, etwas von mentalen Problemen wissen, das ist, im Gegensatz zum Glamour, nichts, was man nicht selbst haben kann. Es gibt dennoch auch einige großartige "klassische" Momente, zum Beispiel die Studioaufnahme von "Born in the USA", wenn jeder Anwesenden das Bewusstsein lebt, dass gerade Geschichte kreiert wird. 
Zum konträren Konzept passt zum Beispiel auch das Werfen von exklusiver Kunst vor die stupide Masse in der Mitte der Laufzeit: jeder Zuschauer kennt jetzt "Suicide" (und ist zum Glück wohl wenigstens abgeschreckt). Keine Angst vor diesem Film, wer gern auf allumfassendes Schaffen und nicht nur die Hits schaut, wird seine Freude haben. 

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