Review

Von New Jersey nach Nebraska…

Biopics großer amerikanischer Pop- und Rockstars boomen wie lange nicht mehr. Fast schon zu viel, zu gleich, zu generisch behaupten nicht wenige Zungen. Doch „Deliver Me From Nowhere“ sticht zumindest etwas heraus und macht ein paar Dinge anders als seine Kompagnons, wenn er sich auf eine übersichtliche Phase des „Boss“ konzentriert und seine seelischen Abgründe, Ängste und Aggressionen in den Mittelpunkt einer einzigartigen Persönlichkeiten im Künstlerzirkus stellt… 

Die Abgründe des Boss'

Zwei Gruppen wird „Deliver Me From Nowhere“ glaube ich besonders ansprechen und berühren. Einmal natürlich Springsteens Fans und hartgesottenere Hörer über die Jahrzehnte. Und zum Zweiten Leute, die mal mit Depressionen zu tun hatten. Ersteres war ein Given. Aber Letzteres hat mich dann doch (positiv) überrascht und gekriegt. Nicht in der annähernden Meisterklasse wie etwa ein „Walk the Line“ - aber gut genug um ihn empfehlen zu können. Denn „Deliver Me From Nowhere“ legt erstaunlich wenig Konzentration auf die Musik, auch gar nicht mal auf die künstlerischen und kreativen Krisen. Sondern auf die Abgründe, den Antrieb und den Kern des Menschen Bruce Springsteen. Das kommt dann wiederum nie ganz ohne Klischees aus. Aber diese leisen, verletzten und sensiblen Töne haben mir gefallen. Zudem spielt Jeremy Allen White über alle Zweifel erhaben, die Musik ist eh unangreifbar und die Machart jederzeit hochwertig und erprobt. Das ergibt dann ein „Biopic“ in dicken Anführungszeichen, mehr ein Making-of-„Nebraska“ - und vor allem ein ehrliches Charakterbild voller Selbstzweifel und seelischer Schadstoffe. Obwohl „der kaputte, mit sich selbst und seiner Kindheit hadernde Künstler“ natürlich auch schon lange nichts komplett Neues mehr ist. Aber selten wurde es dermaßen sicher, schmerzhaft und authentisch angefasst, meiner Meinung nach. Nicht so schwungvoll oder kreativ wie ein „Better Man“ - aber ziemlich schutzlos, dunkel und direkt. 

Fazit: Ich liebe Bruce Springsteen, ich liebe Jeremy Allen White, ich liebe „Nebraska“ und respektiere die interessante Entscheidung sich komplett auf diese entscheidende, kurze Phase des Rockstars Springsteen und vor allem Menschen Bruce zu konzentrieren… Und ich mag „Deliver Me From Nowhere“. 

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