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Ostfront, Herbst 1943: Der deutsche Panzer-Kommandant Philip Gerkens und seine vierköpfige Besatzung haben gerade erst knapp eine Brückensprengung überlebt und würden sich nun gerne mit dem Rest der Wehrmacht nach der Niederlage von Stalingrad aus Russland zurückziehen, erhalten von höherer Stelle stattdessen aber noch einen Geheim-Auftrag, den es zu erfüllen gilt. Mit Ihrem "Tiger" sollen sie im Alleingang hinter die feindlichen Linien vordringen und Gerkens alten Kammeraden, den Obert Paul von Hardenburg, in Sicherheit bringen, bevor dieser in russische Gefangenschaft geraten kann. Die Mission gestaltet aufgrund des verminten Terrains, das es zu durchqueren gilt, sowie den bald einsetzenden Kampfhandlungen mit einem feindlichen Panzer, der sich merkwürdigerweise nicht abschütteln lässt, besonders schwierig... und hinzu kommen noch, dass die nervlichen Belastungen, denen sich die Soldaten permanent ausgesetzt sehen, so allmählich ihren Tribut fordern. Als man mit letzter Kraft schließlich doch noch bis zu von Hardenburg vordringt, wartet auf Gerkens und seine Leute eine unangenehme Überraschung... "Das Boot" im Panzer... oder so ähnlich. Zu dem besagten Wolfgang Petersen-Streifen gibt es alleine schon aufgrund der erneuten Fokussierung auf eine Truppe nicht unsympathisch gezeichneter, deutscher Soldaten, die auf engstem Raum eingepfercht ist, viele Gemeinsamkeiten, während man sich die der Mission der Tiger-Mannschaft inhärente Reise ins Herz der Finsternis bei Francis Ford Coppola und seinem "Apocalypse Now" abgeschaut hat. Im Gegensatz zu den beiden genannten Meilensteinen der (Kriegs-)Filmgeschichte, hat es bei "Der Tiger" allerdings nur zu einem lauen Aufguss altbekannter Versatzstücke und Klischees gelangt. Dennis Gansel, der von der Teenie-Komödie "Mädchen, Mädchen!" über die Jugendbuch-Adaption "Die Welle", den gescheiterten Versuch eines deutschen Vampirfilms "Wir sind die Nacht" bis hin zur Statham-Fortsetzung "Mechanic: Resurrection" bislang schon für eine ganze Reihe misslungener Streifen verantwortlich gezeichnet hat, ist es trotz merklicher Bemühungen und eines sichtlich vorhanden gewesenen, ausreichenden Budgets mal wieder nicht gelungen, eine deutsche Genre-Produktion auf internationales Kino-Niveau zu hieven, denn dazu hapert es hier ganz einfach viel zu sehr am Inhalt. Sämtliche Situationen und Momente, die einen da potenziell packen könnten, wirken wie schon zwanzig Mal gesehen und verpuffen darum weitestgehend wirkungslos und die Botschaft, die dabei verbreitet wird, hat zwar nichts von ihrer Richtigkeit eingebüßt, wurde aber ganz einfach schon viel zu oft gehört. Allgemein gewinnt man zudem schnell den Eindruck, dass Amazon hierzu nur deshalb grünes Licht gegeben hat, um sich ein wenig an den internationalen Erfolg der Netflix-Konkurrenz "Im Westen nichts Neues" anzuhängen und mit einem eigenen Streaming-Kriegsfilm aufzutrumpfen... dass "Der Tiger" es aber ebenso wie dieser auch noch zu Oscar-Ehren bringen wird, wage ich doch mal ganz sachte zu bezweifeln. Ach ja: Dass jetzt auch schon Kriegsfilme (sorry... ANTI-Kriegsfilme. Wichtig!) mit einem (übrigens wieder mal weithin absehbaren, permanent angeteaserten und darum nicht mal mehr halbwegs überraschenden) Shyamalan-esken Schluss-Twist um die Ecke kommen müssen, ist ebenso verwunderlich wie schockierend und das Abdriften in esoterisch-verquaste Mystery-Quatsch-Gefilde gibt dem Streifen auf den finalen Metern mal echt den Rest, ganz egal, wie man zu dem steht, was da zuvor gekommen ist...

4/10

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