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Basierend auf dem Bestseller-Roman von Willy Vlautin erzählt Regisseur Benjamin Caron von einer intensiven Nacht der Verzweiflung und Eskalation. Hauptdarstellerin und Co-Produzentin Vanessa Kirby liefert eine Performance ab, die bei den kommenden Academy Awards eventuell Beachtung finden könnte.

Portland, Oregon: Lynette (Kirby) lebt mit ihrem älteren Bruder Kenny (Zack Gottsagen) und Mutter Doreen (Jennifer Jason Leigh) in einem heruntergekommenen Mietshaus. Um Kenny, der ein Down-Syndrom hat, eine gewisse Sicherheit zu bieten, will sie das Haus unbedingt kaufen, doch für die Zahlung des fälligen Kredits in Höhe von 25.000 Dollar bleibt ihr nur eine Nacht…

Anfangs wirkt die Etablierung der Misere ein wenig forciert, als im Radio unentwegt von der allgemeinen Wohnungsnot und Obdachlosigkeit die Rede ist, während Lynette mit zwei schlecht bezahlten Jobs alle Hände voll zu tun hat. Mutter Doreen ist definitiv keine Hilfe, emotionale Unterstützung erhält sie hingegen von Kenny, dessen Unterbringung während ihrer Arbeitszeiten jedoch auch ein Problem darstellt. Wut und Entschlossenheit sind in jener Nacht das, was Lynette antreibt und sie recht schnell in kriminelle Gefilde abrutschen lässt.

Erst während diverser Stationen erfährt man etwas über die Protagonistin und ihre teils düstere Vergangenheit. Dabei beginnen die Stationen vergleichsweise harmlos, als sie dazu verleitet wird, den Luxuswagen eines Bekannten zu entwenden. Um die Zeitspanne zu verdeutlichen, wird in unregelmäßigen Abständen eine Uhr mit vorspringendem Minutenzeiger eingeblendet und man befindet sich im Mittelteil in den Gefilden eines Thrillers, der teils absurde als auch gewalttätige Situationen mit sich bringt.

Erst nach und nach erfährt man, warum die junge Frau wie eine Getriebene durch die Nacht hetzt, wobei dies nicht konsequent mit dem Erzähltempo einhergeht. Im Gegenteil. Es gibt immer wieder kurze Phasen des Luftholens oder Innehaltens, ohne dass nennenswerter Leerlauf entsteht. Speziell das Zusammenspiel zwischen Kirby und Gottsagen erdet die Angelegenheit ungemein und steht im angemessenen Kontrast zu einigen falschen Entscheidungen, welche in jener Nacht getroffen werden.

Regisseur Caron bleibt inszenatorisch eher unauffällig und setzt auf einen starken Cast mit ebenso überzeugenden Performances. Stephan James, Randall Park, Michael Kelly und Eli Roth verkörpern durchaus Figuren, die während der nächtlichen Odyssee eine Weile in Erinnerung bleiben.

Gleiches gilt für den zunächst unbefriedigenden Aufbau der Geschichte, da die Hauptfigur erst im Verlauf jener Nacht ein komplettes Profil erhält und die Empathie folgerichtig stufenweise wächst. Die Auflösung ist in vielerlei Hinsicht stimmig, mal abgesehen vom Ausklammern potenzieller Konsequenzen einiger Ereignisse.
Was bleibt, ist eine größtenteils packende Abwärtsspirale: Düster, beklemmend, aber trotz aller Verzweiflung nie ganz ohne Hoffnung.
7 von 10

 



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