Review

Daß gute Fotografen nicht unbedingt auch gute Filmemacher sind, beweist wohl zwangsläufig der einzige Versuch Cindy Shermans auf dem Gebiet des Films. Dafür hat sie sich mit „Office Killer“ noch gleich das Subgenre Slasher ausgesucht, obwohl der letztendlich herauskommende Bastard nirgendwo in irgendeine Schublade passen will.

Bemüht biedert der Film sich bei diversen Genres an, ohne sich für eins entscheiden zu können. Carol Kane, sonst eine ernstzunehmende Schauspielerin und Komödiantin spielt hier das Fußabtreterhuschemäuschen Doreen, die, als ihre Abteilung zu Heimarbeit abgestraft wird, so nebenbei mörderische Züge entwickelt und langsam aber sicher ihren ganzen Arbeitsbereich meuchelt, um im Keller die ganz große Heimarbeitsstimmung aufkommen zu lassen, denn dort stellt sie alle auf.

Da im Büro bisweilen einige seltsame Gestalten rumlaufen, könnte das jetzt eine Satire sein (und soll es wohl manchmal auch), doch leider ist das Ergebnis wenig komisch. Zwar wird zwischendurch mal Mißbrauch durch den Vater (durch sie verursachten Unfall ums Leben gekommen) und Mutterkomplex (die Gute drangsaliert sie vom Bett aus) für das soziopathische Verhalten angeboten, aber das hat keinen Bezug auf den Film.
Überhaupt ist Doreen als teilweise naiv-verspielt, teilweise infantil angelegt und das tut satirischen Bezügen leider gar nicht gut. Der Rest der Anwesenden spielt nämlich alle Büro-Klischees durch und zwar toternst. Karriereangst und Termindruck kreisen, die Chefin (Barbara Sukowa als nikotinsüchtiges Nervenwrack) ist ein monströser Schreihals, die Kolleginnen sind faule Schicksen (Molly Ringwald ist traumhaft besetzt) oder haben, wie im letzten Moment rauskommt, betrügerische Motive.

Das Ergebnis jedoch bleibt uneinheitlich. Daß sich niemand von den Leuten gegen dieses Mäuschen von Frau wehren kann, ist genauso ärgerlich, wie die ziellosen Anstrengungen von Jeanne Tripplehorn, hier so etwas wie eine Identifikationsfigur darzustellen. Überzogen und überzeichet paart sich mit total normal, Abgedrehtes begegnet beklemmenden Szenen vom psychischen Druck Doreens und die Motivation der Mörderin bleibt weitestgehend im Dunkeln, genauso wie diverse Morde einfach ausgespart werden, aber die Opfer dann im Keller auftauchen, wobei sich wohl niemand wundert, wie leer das Büro langsam ist.

Es gibt ein paar nette Leichenszenen mit etwas Gematsche, aber Splatter ist das wohl kaum zu nennen, eher graphische Details.
Gekrönt wird das noch von einer schlampigen Regie, einem schlechten Schnitt und ein paar der improvisiertesten FX seit langem (Hausbrand).
Tatsächlich hat das dann noch ein Pointe, aber da ist dem Publikum schon der letzte Zahn gezogen. Natürlich mit Kuriositätenwert zu konsumieren (man nennt das wohl postmodern und streitet sich dann über den Stellenwert der Frau in der Gesellschaft), aber abgesehen von den üblichen Horrorklischees ist das hier alles zu unausgegoren zusammengeschustert.
(3/10)

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