Die DVD-Firma Salzgeber-Medien ist in Deutschland das Label für Filme aus dem homosexuellen Bereich. Und damit meine ich jetzt keine Pornographie, sondern anspruchsvolle Filme, die sich um Thema Schwulsein und die (leider) daraus resultierenden Probleme, u.a. mit der Gesellschaft, drehen. Auch wenn ich persönlich keinerlei homosexuelle Neigungen besitze, so bin ich vor kurzem doch über diesen norwegischen Kurzfilm namens "Ein Kuss im Schnee" gestolpert, den ein guter schwuler Kumpel meinerseits auf DVD hat. Mit Interesse verfolgt, kann ich nun mit 100% Sicherheit sagen, dass man nette Filme auch über Themen machen kann, die von der Gesellschaft, leider selbst heute noch, nicht als "normal" eingestuft werden.
"Ein Kuss im Schnee" handelt sich um zwei Jungs aus Norwegen, die sich zufällig kennen lernen. Obwohl beide wissen, dass sie sich ineinander verliebt haben, wissen sie doch, dass sie nicht für einander bestimmt sind, vor allem auch deshalb, weil einer der beiden eigentlich eine Freundin hat. Doch bei einer Rangelei im Schnee kommt es plötzlich zu etwas unerwartetem: Einem Kuss. Mit viel Sensibilität behandelt Regisseur Frank Mosvold das Thema des Schwulseins und der Schwierigkeit des Outings. Ohne Kitsch, dafür aber mit viel Gefühl, lässt er seine Figuren auf einander treffen und den Lauf der Dinge passieren. Das er dabei auf ein Happy End vollends verzichtet, macht ihn zudem noch sehr sympathisch. Man spürt als Zuschauer, egal ob nun schwul oder nicht, wie gut sich Frank Mosvold doch mit der Thematik auskennt und wie er es dem Publikum näher bringen will. Bravo!
Die Inszenierung selbst ist recht minimalistisch gehalten und kann mit der anderer bekannterer Kurzfilme sicher nicht ganz mithalten. Die Kameraführung wackelt mit unter arg und auch die Schnitttechnik könnte besser sein. Aber im Grunde stört dies hier überhaupt nicht, da die Erzählweise hier über den Dingen steht. Und ein Pluspunkt gibt es in der Inszenierung dann doch: Die Musik untermalt das Geschehen auf passende Art und Weise und weiss zu Gefallen.
Darstellerisch ist es recht schwierig eine Wertung abzugeben. Auf der einen Seite sind die Darsteller nicht wirklich talentiert und wirken in den meisten Szenen recht unbeholfen. Auf der anderen Seite schaffen sie es aber dennoch ihre Charaktere dem Zuschauer näher zu bringen, was sicher auch daran liegen mag, dass sie allesamt wirklich Homosexuell sind und deshalb auch nur wenig Probleme haben, auf einander zuzugehen und einen schwulen Charaktere zu verkörpern. Und alles andere kann man ja schließlich noch lernen.
Fazit: Faszinierender, höchst anspruchsvoller kleiner Kurzfilm aus Norwegen, der das Thema "Probleme mit dem "Schwulsein" unbefangen einfängt und auf glaubwürdige Art und Weise wiedergibt. Auch wenn die Inszenierung und die Darstellerleistungen nicht so ganz das Wahre sind, so steht hier die Erzählweise und der Inhalt über den Dingen und weiß somit den Zuschauer zu überzeugen, egal ob nun Homo- oder Heterosexuell. Ich persönlich würde mir so einen Film jedenfalls auf alle Fälle wieder einmal ansehen!
Wertung: 7/10 Punkte