Review

Schock-in-the-Box

„Vicious“ liegt von seinen Vibes irgendwo zwischen „Heretic“, J-Horror, „1408“ und „The Box“ (2009). Creepy, begrenzt, ein Konzeptgrusler, ein Kammerspiel, ein Test der offenen Fragen und fehlenden Logik. Kein weiterer „The Strangers“, an den Bryan Bertino wohl nie mehr herankommen wird. Aber teilweise bitterkalt, winterlich, böse, mysteriös, garstig und konzentriert genug. Mit einer aufopferungsvollen, intensiven Dakota Fanning, kompetenten Jumpscares und routinierter Regie. Und trotzdem im Endeffekt nur halbseiden… Über eine alleinstehende junge Frau, die von einer fremden alten Dame eines kalten Abends kurz vor Weihnachten eine kleine Holzkiste überreicht bekommt - mit den Abschiedsworten: „Du wirst heute Nacht sterben!“… 

Knobelkiste ohne Antworten

Im weiteren Sinne eine weitere Home Invasion-Variation von Bertino, der damit wirklich ein Muster und Motiv gefunden hat. „Vicious“ interpretiert dieses jedoch deutlich psychologischer und vager und traumatisch-metaphorischer - womit sich Bertino leider doch klar dem Zeitgeist beugt. Das ist schon deutlich eher Streamingware als Kinoschocker - obwohl man an manch einem Jahresanfang (wo „Vicious“ einst eigentlich geplant war!) sicher auch schon schlechtere Grusler von der Stange in den Lichtspielhäusern gesehen hat. Trotzdem ist er nun auf Paramount+ zur Halloweenzeit völlig in Ordnung aufgehoben. Bertino weiß, wie man Spannung aufbaut und Schocks bis in die Magengrube setzt. Das ist jetzt nicht viel schlechter als manch ein „ConjurInsidious“. Wahrscheinlich für viele sogar eher kleiner, gemeiner und sympathischer. Die Tonspur hat Paramount auf meinem Setting etwas zu uneben und aggressiv aufgedreht. Und ganz sicher hätte das alles auch in 80 Minuten statt in 102 gepasst. Die Schocks sitzen - bleiben aber null bei einem. Ein oberflächlicher Seelenstriptease. Eine ungenierte Geisterbahn. Eine etwas kümmerliche One-Woman-Show - ganz sicher nicht wegen Fanning, sondern weil ihr vom restlichen Film einfach nicht genug zugeschustert wird… Außerdem kann ich das Thema „Trauma“ dermaßen eindimensional im Horrorgenre verwurstet im Grunde kaum mehr sehen. Und in seinen schwächsten Momenten erinnert „Vicious“ fast an frühen 00er-Alibi-Asia-Grusel aus dem Westen a la „Feardotcom“. Und das ergibt dann irgendwie „Worst of Both Worlds“, von heute wie von damals… 

Was 'ne alte Schachtel… 

Fazit: kompakter Konzeptschocker. Wer solche twilight zone'igen, shymalan'igen Szenarios und Settings mag, nicht zu sehr auf Sinn und Logik und Antworten pocht, vielleicht Fan von Frau Fanning ist, bekommt mit „Vicious“ eventuell einen spannenden Abend geliefert. Man darf sich halt nicht zu hartnäckig fragen, was das alles denn sollte… 

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