Von Haiyu Film für den Streamingdienst iQIYI als VIP-Content, also für Abonnenten zum monatlichen Festpreis produziert, ohne den zugkräftigen Beisatz 'Sniper' im Titel, Drogen wie üblich als die Thematik des Filmes bzw. der Kampf dagegen, "a major scourge in today's society", China hat scheinbar keine anderen Probleme. Nachrichtenbilder werden eingespeist, offensichtlich älteren Datums, dann geht es an die Grenze, diese muss beschützt werden, von außen kommen die bösen und die schlimmen Sachen, innerlandes geht es immer zu mit rechten Dingen:
Die UN-Betäubungsmittelkontrollorganisation (UNO) sowie die chinesische und myanmarische Polizei gingen gemeinsam gegen eine Drogenhandelsorganisation unter Führung der Saka-Gruppe [ geleitet durch Guo Zhen ] vor, die versuchte, Drogen über China in die ganze Welt zu verkaufen. Der Forstpolizist Zheng Hong Feng [ Qi Hang ] und sein Kollege [ He Minghan ] wurden versehentlich in einen schweren Drogenhandelsfall verwickelt und geriet in Gefahr. Um seine von Drogenhändlern getöteten Kollegen zu rächen und den Drogenschmuggel nach China zu verhindern, schloss er sich mit dem von Drogenhändlern schwer verfolgten Lao Wu zusammen und kämpfte in den dichten Wäldern an der Grenze gegen die Drogenhändler. Was auch eine Kooperation mit der Anti-Drogen-Spezialpolizei einschließt.
Viel Wald, getreu dem Titel, undurchdringliches Dickicht, einem Dschungel gleich, nur spärlich erhellt von Tageslicht. Die Wege zugewuchert, ein paar baufällige Ruinen bzw. abbruchreife ehemals genutzte Gebäude dienen als Unterschlupf oder als Hauptquartier, je nach Partei, die dort residiert. Eine Operation wird geplant, eine Mission ist angesetzt, die Beteiligten am Tisch werden instruiert, die Handlung so vorangebracht, die Prämisse in wenigen Sätzen vorgestellt. Die geeignete Verteidigung des Mutterlandes hat man hier versammelt, mit Ringo Yu a.k.a. Yu Rongguang (bloß im Cameo) einen Recken der Achtziger Jahre noch, quasi der erste Actiondarsteller, der es hinaus ins Bewusstsein geschafft hat und bis in andere, selbst in westliche Länder. Der Rest der Besetzung ist den Meisten sowieso unbekannt und wird es auch bleiben, die Titel meist lokal ausgewertet, selten mit Präsentation in Europa oder Amerika, wenn dann nur zufälligerweise und wie ausgelost wirkend, als Füllung der Regale, als Bestandteil vom Portfolio.
Was die Chinesen zuletzt im filmischen Bereich geschafft haben, ist der Aufbau eines eigenen Nachschubs, muss man und will man auch nicht mehr auf Hollywood zurückgreifen, werden im Kino noch in anderen Auswertungen, man ist gerade im Actionthriller preisgünstig geblieben und dennoch zuweilen aufwändig gehalten, man hat sich auf Schnelligkeit und Effizienz konzentriert, ein wenig auch auf die Brutalität bei den Aktionszenen fokussiert, man liefert die B-Pictures mit besserer inszenatorischer Qualität, nur inhaltlich hapert es oft, überwiegend im Mittelteil, und wird die Laufzeit mit Nichtigkeiten, mit Propaganda, mit Albernheiten oder mit sonstigem Allerlei gedehnt und ausgefüllt. Die Schnitte schnell, die Bilder klar und deutlich, die Aussagen grell, die Töne laut und bedrohlich, die Bewegungen flüssig, ein Spurt vom Anfang bis zum Finish. Kleinere erste Verfolgungen und minimale Stunts als die Einleitung des Geschehens, die Uniformen präsent, eine Hatz durch die ''Trap Hunting Grounds', Fallem wie im Vietnamkrieg, Freund und Feind duzen sich. Die Kameraarbeit ist agil, die Kameraderie hoch, die Pflicht ruft ständig, die Gefahr hoch, der Tod beständig.
Zwei Kollegen hat man schnell verloren, bei einer Routinekontrolle, Schüsse fallen, die Messer werden gezogen, Kugeln prallen ein, die Gegner skrupellos. Gestorben wird in Ausübung des Berufes, der hier gleichzeitig Berufung ist, nicht bloß Profession, sondern Überzeugung. Der Feind in Überzahl, paramilitärisch organisiert, eine Gruppe von Söldnern und anderen 'Tagelöhnern', der Dienst an der Waffe dort gegen Geld und für Drogen, werden selbst friedliche Bergbewohner drangsaliert und massakriert. Ein ganzes Dorf wird als Geisel und in Beschlag genommen, Terrorismus pur, ein Kriegsszenario fast, eine Anarchie, eine Rebellion gegen die Gesetze, in grün-grauen Bildern, Dark Forest pur. Eine Auseinandersetzung im Niemandsland, mit zuweilen aufdringlicher Inszenierung, mit Überzeichnung des Bösen, eine Entstellung und Verzerrung, schwarz/weiß in der narrativen Gestaltung, ein Austoben in der Akzentuierung, "When in Rome, do as the Romans do." Entsprechend konzentriert man sich zu Beginn mehr auf die Antagonisten, wird deren Treiben gezeigt, ihr 'degeneriertes' Wesen, Voyeurismus, sexuelle Ausschweifung, Verrat gegenüber dem eigenen Vater usw. usf., dazu die Gefangennahme Unschuldiger für spätere Gräueltaten, an Nachschub für Untaten wird selber gesorgt. Man hat sich eingerichtet zwischen Partyraum und Folterkeller, man wiederholt die eben gesagten Sätze, die Dialoge schreiben sich nicht von alleine, sie werden repetiert und bestenfalls variiert, Actionszenen sind erstmal zweitrangig, ein Nahkampf wird im Dämmerlicht bei flackernder Lampe präsentiert.
Kidnapping, Menschenhandel, Sklavenarbeit, Drogenschmuggel, alles drin in der Büchse der Pandora, die geöffnet wurde schon im Prolog, von Yu als einzige Prominenz ist wenig zu sehen, dafür ist der eigentliche Hauptdarsteller jünger und agil genug, "a fucking Ninja", ausreichend für die Konfrontation. Dramaturgisch ist man auch etwas besser aufgestellt als üblich, man hat hier und da einige Wendungen, die Beleuchtung könnte besser sein, zuweilen erahnt man mehr als man sieht, zudem die Ereignisse in der Nacht oft spielen. Gedreht ist das dennoch besser als gespielt, man dreht sich auch leicht im Kreise, Gefangennahme und Entkommen, erneute Gefangennahme und erneutes Entkommen, dazu Geschäftsverhandlungen um eine geheime Zubringerstraße, ein Plot mit einem breiten Schauplatz und einigen Schlagwörtern, das reicht für die Erzählung, 95min in der Ausdehnung. Gut in der Kondition ist man zumindest, vielleicht auch in der Koordination, die Gegend sieht überall gleich aus, man findet sich trotzdem zurecht, man läuft sich permanent über den Weg, man hat sich der Natur angepasst, es wird durchs Gestrüpp gewandert von links nach rechts. Ein Einzelkämpfergeschehen, eine weitreichende Erpressung, von der Obrigkeit sind nur die großen Worte von eingangs übrig und das Gottvertrauen im späteren Eingreifen, der Rest ist Marsch durch das unwirtliche Gelände und die Widrigkeiten der Natur, was dem Film immerhin ein Gefühl von Strapazen und etwas Bodenständigkeit gar verschafft, und es wird auf (un)freiwilligen Humor komplett verzichtet, es wird eher mit Spannungsmomenten versucht, sich als ruraler Survival-Thriller zwischen Baum und Borke, Gebirge und Geröll, Getier und Standortvorteil eigenes Revier probiert.
Eine lange Wanderung, eine Landkarte, ein paar 'Mules', die die Waren schleppen, Waffen werden eher gezeigt und gezückt statt abgefeuert, dafür geht es dann gegen die Insekten der Terrains und zurück in die 'Trap Hunting Grounds', zurück in die Fallen wie aus dem Vietnamkrieg, mit Bambussperren durchbohrt, von Hölzern aufgespießt. Tradition gegen Moderne, Ausländer gegen Einheimische, mehrfach die gleichen Duelle, später immerhin bei Tageslicht, mit übersichtlicher Optik, mit kämpferischen Fähigkeiten, ein Geraufe und Gebolze im Unterholz, mit Drogendealern und Terroristen verhandelt man nicht. Und: Das dicke Ende, ein Luftangriff mit Drohnen kommt zuletzt.