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Frühzeitig, d.h. bereits vor einigen Jahren als Kinoproduktion noch angekündigtes, auch unter dem Titel Broken Mission 'laufendes' Werk von Danny Pang Fat, etwa zeitgleich zu dessen Death Stranding (2023) proklamiert und auch nur wenig später, allerdings rein online veröffentlicht. Filmemacher Pang, der im Vergleich zu seinem Bruder Oxide Pang Chun auch zeit seines Lebens oftmals als der 'schwächere' Regisseur galt, sieht sich derzeit privat (eine Überschuldung und Bankrotterklärung zugunsten medizinischer Kosten für die Therapie eines nahestehenden Angehörigen) und beruflich (ausbleibende Aufträge zur Re-Finanzierung) ein wenig vom Pech verfolgt, in Sachen Business wurden eher die kleinen, unter dem Radar laufenden Arbeiten im Bereich des psychologischen Horrors – wie The Strange House (2015), The Mirror (2015), Delusion (2016) – angestrebt, auch die Actionthriller wie eben Break War oder der Death Stranding sind in der Größenordnung wesentlich geringer ausfallend als die seines Verwandten, zudem hat gerade der letzte Film auch reihenweise mäßige bis schlechte Kritiken und nur geringes Einspiel an den Kinokassen generiert:

Hongkong ist die sicherste Stadt in Asien und ein international anerkanntes Finanzzentrum. Seine vier Grundwerte sind "Finanzen, Immobilien, Bildung und Justiz", die den höchsten Ruhm dieser internationalen Metropole symbolisieren. Mo Yun [ Francis Ng ], der stellvertretende Polizeikommissar in Hongkong, hat in nur drei Jahren zehn große ungelöste Fälle aufgeklärt, was ihm den Titel eines echten Detektivs in Hongkong einbringt. Dieses Mal steht er vor einer Herausforderung durch eine Terrororganisation namens "FREE", die darauf abzielt, Hongkongs vier Grundwerte zu sanktionieren. Wenige Tage später erlebt Hongkongs größte Finanzinstitution, die Zhou-Gruppe, einen plötzlichen Börsencrash, der Vorsitzende wird verhaftet und die Hongkonger Wirtschaft stürzt um mehr als 20 % ab; über Nacht verschwinden alle zehn renommierten Immobilienentwickler auf mysteriöse Weise, was die Immobilienpreise halbiert; die angesehenste jahrhundertealte Schule in Hongkong wird in Ruinen gebombt, was zur landesweiten Schließung von Schulen führt. Ihr Titel der sichersten Stadt in Asien ist völlig verloren! Ein endgültiges Aufeinandertreffen, das das Leben und das Vermögen von Hongkongs sieben Millionen Einwohnern betrifft, hat endlich begonnen.

Wie auch bei Death Stranding ist hier Francis Ng als Besetzung und Bereicherung anwesend, zeitgenössisches Milieu, der Kampf Gut gegen Böse, Polizei gegen Verbrechen, es wird mit einem Aufruhr, einer Aufregung gestartet, das Finden mehrerer C4 Bomben. Die Frist läuft, die Aufgabe scheint unmöglich, der Timer rast herunter, ein scheinbar großangelegtes Szenario, der Vorspann nach der Eröffnung, mit der Andeutung des Kommenden, mit Aufwand vorgaukelnden Bildern. Eine Befragung steht an, eine Drohung wurde ausgesprochen, eine Untersuchung steht an, im Übrigen spielt man hier in einer realen Stadt, nämlich in HK. Auf Kantonesisch auch gehalten, was natürlich positiv hervorzuheben ist, die Darsteller mit Originalstimme, dazu Lokalkolorit, ein urbaner Crime, es geht u.a. mit Börsenkurse und Erpressung, um Lug und Betrug, um Bürokratie, um Kompetenzgerangel, um einen Einzelkämpfer gegen das System, die RCU ist involviert, ebenso die CCU, viel wird eingangs angedeutet und doppelt erzählt, eine Büroarbeit, mehrere Perspektiven, doppelte und dreifache Erzählführung.

Pang hält die Geschichte dabei immerhin kurz, er bleibt unter anderthalb Stunden, teilweise wirken Szenen persönlich involviert, in intimer Atmosphäre, Dialog und Interaktion andererseits wieder gestellt und steif. Das Casting hat ein solides Gebilde, in Haupt- und Nebendarsteller, teilweise Gastrollen, die Bedeutung hinzufügen versuchen, die Narration erinnert eher an Fernsehserien, eine abgehackte Vorstellung, viel Vorarbeit für Späteres, ein Drehen im Kreise hier. Mehrere Wege werden präpariert, verschiedene Filme scheinbar angeteasert, eine erste zufällige Verhaftung, nicht hilfreich in der Erklärung. Zwischen Polizeifilm, Vigilantenthriller, Finanzdrama, regionaler Krimi, Gesellschaftsstudie und Psychogramm gehalten, mit vielen Überschneidungen, aber wenig Übergängen, "Merge the cases" als das Motto, das ausgegeben wird, viel Aktenarbeit, die Bilder im gedämpften Blau-Grau gehalten, oftmals Innenszenen, weniger Bewegung im Äußeren, in der Umgebung. Online wird noch gearbeitet, in Rückblenden, der Zusammenbruch eines Wohnkomplexes, eine nächtliche fußläufige Verfolgung, erst durch die Kanalisation, dann quer über eine Überführung; dazu massive Vermisstenmeldungen, gleich derer 8 an der Zahl, wieder eine neue narrative Tür, ein großes Durcheinander an Plotsträngen hier.

Die TVB-Serie Mission Run (2022) hat so viele Erzählungen angefangen, allerdings in 30 Episoden, nicht im Neunzigminüter, dazu ab und an eine Stuntarbeit, mal handwerklich gehandhabt, dann wieder mit Effektarbeit und im Schnittdesaster; es gibt eine Ansprache vom Superintendenten als Anklage hier, stellvertretend für die Rezensenten, die Filmkritiker. Schäden bei der Polizei, Schäden in der Reputation, ein Chaos im Film, eine unnötige Komplikation, eine Konfusion, eine Verkomplizierung eigentlich einfacher Szenarien und Situationen, ein dramaturgisches Dickicht, ein undurchdringliches Geflecht. Schauspielerisch gibt man sich Mühe, materiell ist man ab der Hälfte der Laufzeit wieder am Opener angelangt, der Bombendrohung, der Rest ist viel Gedankengut und mentale Lücken und eigene Ergänzung, dazu eine moralische Diskussion über Recht und Gerechtigkeit. Spannungsmomente (das Genre des Filmes wird auch unter Suspense aufgeführt) sind dabei durchaus vorhanden, aber einzeln in der Strukturierung, manchmal eine Gewissensentscheidung, dann eine Autohatz mit mehreren Verletzten, die Explosionen selber im Übrigen aus dem Rechenknecht, und mehr schlecht als recht. Momentaufnahmen sind dabei gelungen, aber in der Ein- und Unterzahl, das Duell zwischen Gesetzestreue und Selbstjustiz hat seine Augenblicke, zudem gibt es einen späten Auftritt des unlängst verstorbenen Liu Kai-Chi, und eine gewisse politische Diversität, letztlich wird eine staatliche Organisation mit ins Visier genommen und beschuldigt. Ein Cover-Up, eine Korruption, ein Machtmissbrauch der Obrigkeit, mal etwas Neues hier, später wird auch die ICAC und dann auch die SDU informiert, eine Schießerei im engen Treppenhaus, im ausweglosen Häuserflur.









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