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Verborrea

Im Jahr 2025 machte Eduardo Casanova seine HIV-Infektion öffentlich. Dass dies zeitgleich zur Veröffentlichung seiner Aids-Vampir-Miniserie geschieht, kann bei Casanova als integrales Kunstwerk gedeutet werden. Wobei es sich bei den drei rund 20-minütigen Episoden eher um einen zu lang geratenen Kurzfilm handelt. Aber was kümmern einen Künstler schon klassische Formate. 

Was passiert also in SILENCIO? 

In der ersten Episode diskutieren ein paar Vampirinnen, die aussehen wie riesige rasierte Ratten, über die richtige Überlebensstrategie in den Zeiten der Pest, als ihnen die Menschen und damit ihre Lebensgrundlagen langsam wegsterben. Und sie tun das in einem solchen Tempo, dass eine von ihnen schließlich ausspricht, was die Zuschauenden denken: „You guys talk so fast I get lost“. 

Die zweite Episode eröffnet das Vampirquartett mit einem schrillen Musikvideo, darauf folgt eine lange Diskussion zwischen Mutter Vampir und der (halb menschlichen) Tochter Vampir über die Menschen, die von einer Aids-Demo unterbrochen wird : „Silence equals Death“. 

Die finale Episode startet mit einem blutigen Lesbencunnilingus – gefolgt von einer langen Diskussion der beiden Liebenden, die Vampirtochter und eine Drogenabhängige: „We are all like our mothers“. 

SILENCIO ist weniger stylish als Casanovas bisherige Arbeiten, sieht schmuddeliger und billiger aus, was in Anbetracht des Themas durchaus Absicht sein kann. Leider ist die „Serie“ auch deutlich weniger bildgewaltig und dafür deutlich geschwätziger als seine vorigen Filme. Hier scheint das Werk vor allem in den Dienst der Botschaft gestellt zu sein, nur welche das ist (außer der HIV-Message „undetectable = untransmittable“), weiß allein der Künstler (wenn überhaupt), bzw. muss sie wohl einfach von interpretationswilligen Feuilletonisten „erschlossen“ werden. 

Das ist schade, zeichneten sich Casanovas frühere Werke doch neben dem konsequenten Stilwillen auch durch ihre Verspieltheit und ihre Freude an der Grenzüberschreitung aus. Davon ist hier wenig bis gar nichts mehr zu spüren.

3.5/10

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