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Als 2017 unter der Regie von Kam Ka-Wai der Streamingfilm Queen of Triads mit unter anderen Emotion Cheung, Philip Ng, Tony Ho und der Hauptrolle und Titeldarstellerin Rachel Xu erschien, galt der Film nur für eine Momenterscheinung, eine Art Testphase durch Drehbuchautor Wong Jing, sich einmal bei Gelegenheit auszuprobieren im chinesischen Streamingmarkt; es gab damals noch keinen Grund zur Sorge und Anschein, dass die zukünftig die Normalität wird und so bleibt. Nicht nur, dass Wong gerade die in der VRC überaus erfolgreich laufende From Vegas to Macau – Trilogie (2014/15/16) fertig und bereitgestellt hat, es wurde auch der Zuschauer- und Kritikererfolg Chasing the Dragon (2017) veröffentlicht, mit prompten Ankündigungen weiterer Groß- und Prestigeprojekte im ähnlichen Stil. Mittlerweile sieht es leider so aus, dass nicht bloß zwei wesentlich kleinere und bescheidener besetzte Prequel zu Chasing the Dragon veröffentlicht wurden, äußerst mäßige Leistungen übrigens, auch Queen of Triads hat es zu mehreren Teilen gebracht, die einzig durch Xu vor der Kamera und Wong als Autor zusammen gehalten werden, inhaltliche Kohärenz ist dabei völlig egal:

In den 1970er Jahren erlebte Hongkong unter britischer Kolonialisierung ein dunkles Zeitalter. Die Armen litten, während die britische Polizei mit den Triaden konspirierte und kriminellen Aktivitäten wie Glücksspiel und illegalen Drogengeschäften freien Lauf ließ. Schwester Tie [ Raquel Xu ] die Besitzerin des Tie Ji Restaurants, setzt sich mit dem kampferprobten Xiao Baoxi [ Xie Miao ] für den Schutz der Schwachen und Verletzlichen im Slumgebiet ein. Nach der Gründung der Unabhängigen Kommission gegen Korruption (ICAC) lieferte Schwester Tie zusammen mit gerechtigkeitssuchenden Bürgern Hinweise und unterstützte sie im Kampf gegen die Kriminalität, gegen die Gangster, die das Volk terrorisierten, und gegen die korrupte britische Polizei.

Queen of Triads 2 ist dabei neben dem Wechsel der Regie zu Venus Keung (Kam ist eigentlich fast der bessere Regisseur, aber nehmen tun sich beide nicht viel) interessant und der Besetzung mit Xiao Miao, dem (mit dem kommenden Kinofilm The Furious als internationale Produktion unter Tanigaki Kenji und einem Donnie Yen Sequel) eventuell noch Großes bevorsteht und sich jahrzehntelang als Kämpfer bewiesen hat. Die Bilder hier ähneln eingangs dem Chasing sowie dem Once Upon a Time in Hong Kong (2021), dokumentarische Aufnahmen, die als nahezu einziger Aspekt von Zeit- und Lokalkolorit eingesetzt werden, man versucht die Siebziger und damit Briten-Bashing zu erwecken. Gedreht deutlich im Studio und in China selber, allzu viel verlangen kann man für sein Geld entsprechend nicht, es geht um Korruption, um schlechte Frisuren bzw. Perücken aus dem Fundus, die Filme reine Actionkrimi ohne Anspruch, billige Unterhaltung; wenn sie denn unterhaltsam wären.

Erzählt wird das durch Gott, also nicht der Herrgott persönlich, eine allwissende Erzählerstimme leitet ein, stellt die Situation vor, die Ära, die allumfassende Kriminalität, mit genau einer Ausnahme, und darum geht es. Die Titelheldin ist übrigens eine positive Persönlichkeit, eine, die hilft und zusammen hält, die auf Freundschaft und Loyalität baut, insofern passt das Gezeigte nicht zum Programm, es geht um das Gute im Menschen und der Kampf gegen Korruption, Drogen und Prostitution. Kurze Vorrede, langer Sinn, Sozialisation das oberste Ziel hier.

Ein Restaurant als Zufluchtsort für unschuldig Inhaftierte, als Hauptschauplatz, selten Wanderungen in den Straßen, zu aufwändig, man lockt das Publikum mit anderen Dingen, mit Voyeurismus zum Beispiel, ein merkwürdiger Kampf um Gerechtigkeit, eher mit Lehren und Lernen, mit Rückblenden in engen Gassen, mit viel Elend und dem Umgang damit. Xie dabei mit ersten kurzen Kampfbetonten Szenen, schneller vorbei als gekommen, überhaupt ist hier alles ruckzuck, wie mit der Axt geschnitten und im ersten Take. Die Choreografie ist solide, aber nichts gegen spätere Mitarbeiter und Qualitäten, hier rasches Haudrauf, ohne groß Wiedersehensfreude.

Gefilmt für die Verhältnisse und Herkunft solide, mit immerhin etwas Bemühung, Keung ist ein Mündel von Wong, seine Handpuppe; er hat anfangs einige bessere Werke wie Bullet & Brain (2007), Black Ransom (2010) oder Princess and Seven Kung Fu Masters (2013) auch für das HK-Kino, das ist vorbei. Wenigstens ist hier oft und viel was los, chronologisch völliges Unverständnis bis Chaos, Erinnerungen werden gleich mehrfach gezeigt, mal hier, mal da eingeschnitten, füllt die Laufzeit. Xu als Hauptrolle macht das mit einem Gesichtsausdruck, ist fleißig gebucht immerhin, wenig Talent, viel Fleiß, viel Preis, dazu oft Nachtclubgeschehen, mehr spekulativ als spektakulär, die Frau an sich als Blickfang hier.

Eine Zaubershow gibt's auch, reine Ablenkung, in der Höhle des Löwen, dem heimlichen Stadtführer. Ein heimliches Casino, ein Auskundschaften, ein Lückenfüllen, für die Abrufzahlen muss es gereicht haben, sonst ständen die weiteren Teile nicht an. Keung hat auch das 'Sequel' hierzu geschaffen, den seltsamerweise wieder betitelten Queen of Triads (2022) a.k.a. Queen of Triads 3; während Queen of Triads 3 (2023) a.k.a. Queen of Triads 4 wieder von Kam Ka-Wai ist. Da soll noch jemand durchsehen.

Die Kulissen sind ordentlich, die Darsteller bis auf Ausnahmen eher nicht, es ist auch kein Heroic Bloodshed Gehabe oder Triadenplot, es geht um einen Casino-Raubzug, einen Heist. Eine Einbruchsaktion, mit viel Spülgeld auf dem Tisch, mit Grobmotorik, mit Verschwendung von Xie, der oft nur herumsitzt oder gar nicht zu sehen ist. Zu sehen ist dafür echtes Feuer, heutzutage schon eine extra lobende Erwähnung wert, zum dramatischen zweiten Akt hin, von den stattgefundenen Explosionen hört man dafür nur im Radio, über die Nachrichten, auch wie die Siebziger Jahre sieht das hier nicht aus, eher Early Republic Ära, aber wen kümmert es, das Drehteam anscheinend nicht, das Publikum ist aus anderen Gründen da, dem Martial Arts, dem Vergleich mit den anderen ICAC-Werken, den Jing Girls vielleicht noch, obwohl viel zu betrachten gibt es, da sowieso nicht; Andeutungen für ganz Züchtige vielleicht. Ein Schmierentheater wird hier veranstaltet, ein Set-Up, die Rekonstruktion eines richtigen Filmes, ein Nachahmer von einstigen Glanztaten, inhaltlich immerhin nicht ausufernd, etwa zwei Serienepisoden lang.

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