Während der Startschuss der Reihe, der 2017 veröffentlichte Queen of Triads relativ 'verschollen' ist, d.h. als physisches Medium offiziell nicht zu finden und auch nicht auf gängigen Videoportalen, ob nun legal oder nicht, werden die Fortsetzungen dazu vergleichsweise wie Freibier angeboten; alle bisherigen drei Sequels haben mit Raquel Xu auch dieselbe Hauptdarstellerin, Wong Jing ist jeweils als Drehbuchautor und mit seiner Firma Wishart dahinter steckend anwesend, die Regisseure wechseln sich ab, gelten aber als seine besseren Assistenten, als ausführende Mündel. So führt hier wie im mäßigen Vorgänger Venus Keung die Regie, statt Kämpfernatur Xie Miao (der zugegebenermaßen auch andere Filme verdient hat) ist nun Michael Tse als männlicher Kollege anwesend, dieser und dessen Karriere ist ein arg zwiespältiges Wesen:
Die Geschichte handelt vom Hongkong der 1970er Jahre unter britischer Kolonialherrschaft, wo Korruption weit verbreitet war und die Drogenbosse Kun [ Kent Tong ] und Hao [ Michael Tse ] viel Geld verdienten. Roses Vater wird von Kun getötet, weil er Drogen von ihm beschlagnahmt und sich geweigert hat, Kompromisse einzugehen. Rose [ Raquel Xu ] wird von ihrem Onkel als Zufluchtsort nach Taiwan geschickt und wächst mit dem Ehrgeiz auf, sich zu rächen und Kun und andere Drogenbosse vor Gericht zu stellen, um der Gesellschaft Gerechtigkeit und Klarheit zurückzugeben. Rose tritt der Unabhängigen Kommission gegen Korruption (ICAC) bei und arbeitet mit Interpol zusammen, um verdeckt beim Drogenboss Hao auf der Suche nach Informationen zu sein. Als Rose und Hao sich jedoch immer besser kennenlernen, entsteht zwischen ihnen eine Liebesbeziehung, die sich langsam entfaltet. Einerseits rächt sie den Tod ihres Vaters, indem sie den Drogenboss vor Gericht bringt, andererseits erneuert sie die Gefühle ihrer Kindheitsbindung.
Dabei fängt der Film hier genauso an wie der Vorgänger, dieselbe Erzählerstimme, dieselbe Erzählung, Hongkong in den Siebzigern, die Briten an der Führung, die Korruption am Blühen; eigentlich hätte man den Prolog einfach kopieren müssen, er ist im Grunde sowieso 1:1, ChatGPT lässt grüßen. Während dort die ICAC, die Internal Commission Against Corruption erst gegründet wurde, ist sie hier schon an der Wirkung, der Film demnach einige Monate später, inhaltlich ist das sowieso ohne Bedeutung, es gibt keinen wirklichen Zusammenhang zwischen den Werken, außer Thema und Figur. Diesmal konnte man sich sogar einen Fernseher leisten, vorher war es bloß ein Radio, mit Kent Tong als Bösewicht ist auch ein ehemaliger Fernsehstar anbei, es gibt wieder eine Duschszene, mit etwas mehr nackter Haut, und auch die erste Kampfszene ist besser als alles aus dem Vorgänger. Im Übrigen spielen gleiche Darsteller andere Rollen hier, soviel zur Verbindung, man kann die Filme rückwärts schauen und querfeldein, es ändert nichts, alles derselbe Brei.
Eine Undercovermission steht hier an, die Ausstattung ist etwas edler, Tse trägt einmal den gelb-schwarzen Trainingsanzug von Bruce Lee auf, spätestens das ist eigentlich ein Grund zum Abschalten, als Abonnent zahlt man aber dafür, also bleibt man dabei. Um Drogen geht es hier, um Magnesium und Possiumnitrat, um das Einschleichen in die 'Firma', um Gleichberechtigung, um Traumabewältigung, das Schauspiel käsig, Rückblenden als Albträume sind natürlich auch dabei. Keung arbeitet wieder auf Effizienz und Schnelligkeit, diesmal gelingt es ihm trotz begrenzter Mittel besser, eine Erfüllung der Wünsche seines Meisters, verschiedene Situationen und Perspektiven im Spiel, farblich etwas gediegener, etwas interessanter in der Erzählweise.
In Hongkong soll das spielen, im chinesischen Studio wurde es gedreht, viel dieselbe Kulisse, auch das gleiche Spülgeld; wie ein Fernsehspecial aufgezogen, Tse hat durch die Verkörperung der Figur 'Laughing Gor' aus der Serie E.U. (2009) und dem Spinoff Lives of Omission (2011) eine Art Karriere in der Mattscheibe und für einen Moment auch auf der Leinwand erreicht. Indirekt bezieht man sich darauf mehr als auf alles Andere, wie ein imaginäres Prequel; sowieso sind hier insgesamt mehr Personen involviert, das hilft zusätzlich, es macht es minimal attraktiver für den Zuschauer, es bleibt immer noch ein Nachahmer von richtigen Filmen, selbst denen aus der eigenen Schmiede, eine Kopie früherer Zeiten.
Wer das schaut, die Schmalspurfassung, hat also selber Schuld, oder es ist der Nachschub ausgegangen, oder man weist eine morbide Neugier auf, man sucht den Vergleich. Offensive wird hier eher in sexueller Hinsicht geboten, es gibt sogar eine narrative Überraschung, gleich zwei Besuche aus dem Goldenen Dreieck, einer richtig, einer falsch. Dabei ist der Film auch mehr Triadenplotte als das zuvor, es wird dem Titel eher gerecht, es geht um Machtkampf in der Hak Sek Wui, und dem Problem auch mit und zwischen den Polizisten, es ist besser geschrieben und umgesetzt, das Klavier klimpert, der Sekt perlt, das Saxophon dröhnt. Ein Attentat in einem Ballsaal hat einige Ideen in der Choreografie, nichts berauschendes, aber solide umgesetzt und montiert; bloß die Liebesgeschichte hätte man sich sparen können, ein Laufzeitfüller, ein moralisches Dilemma, dazwischen dann die albernen Jing Girls.