Review

kurz angerissen

Die Rashomon-Struktur weiß Kathryn Bigelow nur bedingt zur Intensivierung der dramatischen Minuten vor einem Raketeneinschlag zu nutzen, um welche die Handlung von „A House of Dynamite“ gestrickt ist. Mit diesem Kniff legt sie lediglich schichtweise die Perspektiven der Entscheidungsträger frei, denen es ohne den gezeigten Kontext noch an Nachvollziehbarkeit mangeln könnte. Es fehlen jedoch die dadurch initialisierten Plotwenden, wie sie beispielsweise Ridley Scott zuletzt noch in „The Last Duel“ in Gang setzte.

Die Handlung ist aber bewusst aerodynamisch zugeschnitten, ihre Muster folgen stringent der geraden Flugbahn der Rakete. In der Irreversibilität der Geschehnisse lag immer schon Bigelows große Stärke; hier durchstößt das unerbittliche Ticken des Countdowns ein unentwirrbares Gestrüpp aus moderner Technologie zum Zwecke der Kommunikation und der Kriegsführung. Dass sie auf einen klassischen, rationalen US-Präsidenten als Entscheidungsträger setzt, unterstreicht ihr Verlangen, die Bedingungen für ein Experiment zu setzen, das unter neutralen Bedingungen stattfindet. Trotz dieser Abweichung zur amerikanischen Jetztzeit ist das Gedankenspiel realistisch genug, dass man die eigenen Finger in den letzten Sekunden in die Polster gekrallt wiederfindet.

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