Review

Verlorene Unschuld


„Flowers In The Attic“ in literarischer Form - ein vielschichtiger, verstörender Klassiker. „Flowers In The Attic“ in filmischer Form von 1987 - ein zaghaftes, zahmes Schauermärchen. Würde man die beiden Version und Medien nicht immer miteinander vergleichen, könnte man diese originale Verfilmung locker als „gut“ durchgehen lassen. Doch ein Vergleich ist nunmal kaum vermeidbar und da hinkt die entschärfte Kinoversion doch deutlich hinterher. Ich versuche sie dennoch recht eigenständig zu betrachten, hatte sie schon früh als Kind mal im VHS-Rekorder und dadurch eine womöglich etwas positivere Verbindung zu ihr als der Durchschnitt, der diese Verfilmung oft als durchgehend misslungen, missbesetzt, missgeführt betrachtet. Dieser negativen Meinung kann ich mich nicht wirklich anschließen. Denn unter der recht glatten, unspektakulären Oberfläche tummelt sich dann doch noch genug Dunkelheit, um einen Fehlschlag weitestgehend zu umgehen. Vielleicht war das Buch einfach dermaßen top, dass selbst eine suboptimale Filmversion einfach nicht total mies werden konnte...?!

Wir folgen einer Mutter mit ihren vier Kindern zurück in ihr elterliches Haus, oder eher Schluss, da ihr Ehemann (und Onkel?!!!) und der Vater der Kinder plötzlich ums Leben gekommen ist. Doch in der schaurigen Villa schlägt den Kids von ihrer Großmutter auf Grund ihrer Herkunft nur Hass und Unverständnis entgegen, sodass sie auf den staubigen Dachboden verbannt und von ihrer zuerst liebevoll charakterisierten Mutter immer mehr vernachlässigt werden... Was ich an dieser Version von „Flowers In The Attic“ besonders mag, ist die leicht milchige, gotische Atmosphäre des Anwesens und die oft elegante Bildsprache. Die restlichen herausstechenden, lobenswerten Punkte kommen allesamt aus der Vorlage, sind hier in entschärfter, leicht entstellter Form jedoch ebenfalls nicht zu übersehen. Die Motive der Vernachlässigung und des Missbrauchs durch Eltern, die Enttäuschung über eine Mutter, der Reichtum und eigenes Glück über alles geht, der Sog der verbotenen Lust, der Zusammenhalt unter Geschwistern, die Verunsicherung an einem fremden Ort - alles Dinge, die bei mir schon damals hängen blieben und mich tagelang beschäftigten. Zu hoch sollte man diesen kindlichen Eindruck zwar nicht hängen, ist man mit 8 bis 14 doch noch wesentlich schneller beeindruckt und eingenommen, doch ganz sein Ziel kann der Film ja dann nicht verfehlen. Immerhin würde ich, allein auf Grund seiner „Helden“, genau diese Altersklasse schon u.a. als Zielgruppe sehen. Der uhrähnlich tickende Score ist immerhin solide und passt sich den spinnennetzbedeckten Gemäuern an, die Leistungen der Darsteller rangieren von solide bis in feinstes Overacting, was den Film sogar unter manchen Trashfreunden zu einem Favoriten machte. Ich sehe ihn jedoch weiterhin mit ernsteren Augen - und er funktioniert in seinen Grundsäulen noch immer. 

Fazit: ein Dachboden voller Kinder, eine Familie voller Inzucht, ein Schloss voller Atmosphäre. Im Gegensatz zum Buch soft und schwach. Alleinstehend jedoch ein ansehnlicher Gothic-Alptraum voller unterschwelliger „Sünde“. Gruselig und zumindest für jüngere Horrorfans durchaus nachhaltig verstörend. Aber natürlich wäre noch viel mehr drin gewesen...

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