Review

Was kommt eigentlich dabei heraus, wenn man das Kampfsport Ass Billy Blanks (Karate Tiger 5, Nameless - Total Terminator, Balance of Power) und die leider viel zu früh verstorbene World Wrestling Federation Legende Roddy Piper (Sie leben, The Hunter - Ein erbarmungsloser Jäger) in einem Film zusammen Seite an Seite gegen die Unterwelt kämpfen lässt? Richtig, ein knallharter B-Action Reißer mit fliegenden Fäusten, massig Blut- und Bleivergießen sowie dezenten Buddy-Movie Anleihen, wobei Probleme in der Figurenzeichnung und in der Ausgiebigkeit des Finales nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Trotzdem gehört der streckenweise recht brutale Back in Action (1994) auch auf Grund seiner konsequenten Inszenierung zu den ansehnlicheren und unterhaltsameren B-Action Vertretern der 90er Jahre Direct to Video Fließbandkost und kann sogar mit einigen erwähnenswerten Schauwerten aufwarten. Wenn Sie also zum Fanclub der beiden oben genannten Herren gehören oder den guten alten B-Movie Actionfilm vergangener Zeiten zu schätzen wissen, kommen Sie an Back in Action eigentlich nicht vorbei.

Der Regieposten wurde unter dem für seine vielen TV-Serien wie F/X - Tödliche Tricks (1996) oder die Unfassbaren (1997) bekannten Steve DiMarco und dem für dutzende von B-Movie Actionern verantwortlichen Paul Ziller (Bloodfist IV - Deadly Dragon, Shootfighter 2) aufgeteilt. Das Drehbuch stammt von Karl Schiffman, der mit dieser Arbeit zum ersten Mal an einem abendfüllenden Spielfilm beteiligt war, sonst schrieb er seine Skripte immer nur zu TV-Serien beziehungsweise Dokumentarfilmen. Undercover-Cop Frank Rossi (Roddy Piper) muss mit ansehen, wie sein Kollege bei einem verdeckten Ermittlungseinsatz vor seinen Augen von den Killern des skrupellosen Drogenbosses Kasanjian (Nigel Bennet) ermordet wird, während die Schwester (Kai Soremekun) vom Taxifahrer und ehemaligen Special-Forces Agenten Billy (Billy Blanks) die Bluttat beobachtet hat, was sie neben der heimlichen Liebschaft zu einem Gangster selbst zur Zielscheibe von Kasanjians Handlangern werden lässt. Um den Tod seines Partners zu rächen und das Mädchen zu beschützten, muss Frank mit Billy  zusammenarbeiten, ob er  nun will oder nicht. Eine gnadenloser Kampf beginnt...

Die Geschichte konzentriert sich im Prinzip auf das Wesentliche und vereint die genretypischen Motive wie Beschützen und Rache zu einem größtenteils stimmigen Gerüst für die gebotene Actionsause. Bei der Zusammenführung der beiden unterschiedlichen Kämpfer bedienen sich DiMarco & Ziller bei gängigen Buddy Movie Inhalten was zu zufriedenstellender Unterhaltung  mit ein paar erinnerungswürdigen One-Linern führt ("Ich hasse diesen Karate Scheiß und verhafte dich deswegen, weil du mich damit belästigt hast"). Roddy Piper und Billy Blanks verkörpern ihre Heldenrollen mit der notwendigen Dynamik und wissen als kampferprobtes Gespann vollends zu überzeugen. Überflüssig hingegen ist der Charakter der nervtötenden Reporterin Helen (Bobbie Philipps), die klischeekonform alles für die Story tut, sich dem bedauernswerten Frank an den Hals schmeißt und ohne plausible Erklärung über vernichtende Karate Fähigkeiten verfügt, was sie wie ein Fremdkörper in der ansonsten geradlinigen Handlung wirken lässt. Auch die Figur von Billys Schwester Tara (Kai Soremekun) handelt teilweise ziemlich unlogisch und dämlich, sie wirkt aber von ihrer Ausstrahlung nicht ganz so einfältig, wie ihre  geistig und optisch blonde Kollegin.

Prunkstück des Streifens sind die zahlreichen Actionsequenzen, die das Herz eines jeden B-Action Anhängers höher schlagen lassen dürften. Dass bemerkenswerte an Back in Action ist, dass die grundverschiedenen Kampfausrichtungen der Helden individualisierend eingesetzt werden und jeder auf seine eigene Weise zum Gelingen des temporeichen B-Action Spektakels beitragen kann. Roddy Piper setzt neben seinem verstärkten Schusswaffengebrauch als Polizist und Ordnungshüter auch auf spektakuläre Attacken wie Close-Lines, Sleeper Holds, Finishing Moves und Flying Kicks aus seinem Wrestling Repertoire, während der muskelbepackte Billy Blanks meist oberkörperfrei und unbewaffnet seine überragenden Kampfsportfähigkeiten präsentiert. Gemeinsam geben sie ein unbesiegbares und schlagfertiges Duo ab, welches den herrlich fies gezeichneten Bösewichten (Nigel Bennet, Matt Birman) beeindruckend die Stirn bietet. 

Technisch gibt es auch kein Grund zum Meckern, DiMarco & Ziller geben sich alle Mühe die Action mit Wiederholungsanimationen, Zeitlupen und herausstreichenden Close-Ups visuell ansprechend darzustellen, was ihnen im Rahmen der begrenzten finanziellen Mittel ausgezeichnet gelingt. Die Verteilung der umfangreichen Martial-Arts Zweikämpfe und der blutigen Schusswechsel erstreckt sich über den gesamten Film und lässt in den knapp 85 Minuten Back in Action keinen nennenswerten Spannungsabfall zu. Die Intensität wird bis zum Finale sukzessive gesteigert und beinhaltet mit der Auseinandersetzung  in der Autowerkstatt und der Entscheidung auf dem Schiff eindeutig identifizierbare Höhepunkte. Trotzdem hätte ich mir beim insgesamt sehenswerten Showdown mit blutigsten Schusswechseln auch ein abschließendes Kampfsport Finale für Billy Blanks gewünscht, wo das Drehbuch den begnadeten Fighter seine Konfrontation relativ prompt per Pistolengebrauch beenden lässt, da hat Roddy Piper mit seinem mitreißenden Duell gegen Kasanjians Leibwächter einen würdigeren Abgang spendiert bekommen.

Die phasenweise rabiate Gangart führte dazu, dass Back in Action in Deutschland bis Mai 2020 indiziert war. Nach der Deindizierung veröffentlichte Imperial Pictures am 11.09.2020 die ungeschnittene Fassung in annehmbarer Qualität auf DVD, für welche ich den Sympathisanten von klassischen B-Action- bzw. Kampfsportfilmen der 90er Jahre eine klare Kaufempfehlung aussprechen möchte. Für mich ist eine aktuelle Sichtung der nach dem allgemein verbreiteten Empfinden etwas angestaubt wirkenden VHS Videotheken Klopper auch immer eine kleine Reise in die eigene Jugend, als man sich bei der Videothek um die Ecke fast jedes zweite Wochenende mit neuem Stoff eindeckte und als 16 Jähriger Stöpsel mächtig stolz war, wenn man einen FSK 18 Titel mitnehmen konnte. Back in Action bietet auch heute noch ansprechende und kurzweilige Actionunterhaltung, die gerade weil sie eben nicht perfekt sein möchte mit viel Herzblut ihren eigenen Reiz besitzt und den Charme vergangener Zeiten zumindest kurzzeitig im Wohnzimmer wieder aufleben lässt. MovieStar Wertung: 7 von 10 Punkte.



 


Details
Ähnliche Filme