Im aktuellen HK-Kino hat sich Andy On zwischendurch etwas rar bis inexistent gemacht, dafür ist der Darsteller in seiner Kombination aus durchaus guten Aussehen, Körperlichkeit, und nach eifrigen Training mit und unter Philip Ng auch einer gewissen Kampftätigkeit mit zu den führenden Streaming-Darstellern gerade im Bereich der Actionfilme geworden, der Bekanntheitsgrad auf dem Festland war schon vorher da, nun ist noch ein Beliebtheitsgrad dazugekommen; wobei On auch schlauerweise oft mit einem zweiten Darsteller derselben Fraktion verknüpft, sei es Xing Yu, Xie Miao, Louis Fan, Vanness Wu oder wie in diesem Fall Francis Ng, der zwar keine Actionfilm-Vita, aber dafür eine andere Reputation mit sich bringt:
Im Jahr 2030 brach ein tödliches Virus auf einer isolierten Insel im Pazifischen Ozean aus. Angesichts der biochemischen Bedrohung durch die Streitkräfte auf der Insel, speziell durch den derzeit herrschen General [ Michael Wong ], der droht, das Virus durch Drohnen in die ganze Welt zu entsenden, gilt es, innerhalb eines begrenzten Zeitrahmens ein "Ende" zu vollenden, das mit dem Schicksal der gesamten Menschheit verbunden ist. Der zuvor schon vergeblich auf das Eiland entsandte Li Chao [ Francis Ng ] soll nun ein neues Team, darunter dem gar nicht begeisterten Guo Zhenfeng [ Andy On ] zu einem Präventivschlag anführen; etwas, dass zuvor schon Zhenfengs älteren Bruder Guo Zhendong [ Chin Kar-Lok ] das Leben gekostet hat.
Auch hier produziert für iQIYI, gleich mit ordentlich Lärm in die Angelegenheit gegangen, mit (Laut)Stärke und Nachdruck, mit Bedrohung und Fristsetzung, es geht um einen Virus, der Südostasien und danach die ganze Welt bedroht, eine Veränderung der Menschen und der schnelle und grausame Tod, hier in Nachrichtenbilder bereitgestellt, als international wichtig gehalten, mit einigen Blicken in Richtung Science Fiction und Horror, auch zuweilen in englischen Ton gehalten, mit einem flotten Start, einer fiktiven Simulation, einem Bezwingen des Gegners binnen Stunden, mit etwas High Tech und Spontaneität, mit vielen dunklen Gängen und Keller, mit Krawall akustisch und visuell. Eine Falle und eine blutige Schießerei, eine Untersuchung danach, einige Explosionen gemixt aus Rechenkünsten und eigenen Handwerk, viel Aufhebens hier gemacht, Chin Kar-Lok war auch kurz zu sehen, ein angenehmes Bild für die Lokalisten, Ng selber wird synchronisiert, auf Mandarin eingesprochen, er bekommt einen neuen Partner, die Inszenierung (durch Debütant Kenny Tse, Kameramann für Regisseure wie Soi Cheang und Dante Lam) treibend, viele schnelle Schnitte, zu viel eigentlich für Ng, der zuletzt um die 90er herum in Sachen Action tätig war, in Girls With Guns Filmen und Heroic Bloodshed. Die Recherche schon ruft unangenehme Erinnerungen an die erste Mission hervor, man hat nicht wirklich Lust auf eine zweite Operation, man macht es der alten Zeiten willen und weil man nichts Besseres zu tun hat, der Partner diesmal jünger (und muskulöser), On ersetzt Chin, es gibt schon beim Mission Briefing eine Konfrontation, keine wirkliche Koalition und Kooperation, eine erste dicke Luft und schlechte Stimmung zwischen den ausgewählten Kameraden und dem 'neuen'/alten Captain; die Schauplätze und das Umfeld rein fiktiv, etwas Gefühlsduselei zu Beginn, aber wenig nur, so mittendrin.
Bei der Ankunft auf der Insel hat man schon genug Aufmerksamkeit bei den dortigen Bewohnern, den Herrschern erregt, ein Willkommensgruß beizeiten, drei Mann hauen ab, sie wären zu auffällig, das Eiland ein Stück Ödland für sich, jeder Neuankömmling wirkt wie ein bunter Klecks auf schwarzen Untergrund, zum Glück hat man eigenen Transport für das Trio engagiert. On hat vor kurzem einen ähnlichen Film gemacht, es könnte auch die Fortsetzung zu Cruel War (2024) sein, ein ähnlich abgeschottetes Ereignis, die Gegend unter Lockdown, eine Operation mit oberster Priorität, auch wenn man sich selber nicht grün ist und oft Widerworte als einzige in der Kommunikation zählen. Ein Drohnenangriff auf ein Motorboot erinnert etwas an derselbigen Szene bei Angel Has Fallen (2019), nur in kleiner natürlich, tricktechnisch nicht ganz so überzeugend, man hat aber schon Schlechteres gesehen, man bemüht sich um Wasserbomben und ein insgesamt dystopisches bis apokalyptisches Geschehen. Die Natur hat sich hier die Gebäude zurückerobert, die Gegend zumeist verlassen, außer herumliegenden Leichen, eine leere semifuturistische Stadt mit viel Gestrüpp und Wildwuchs, Aufwand wird nicht gescheut, ein Buchladen erinnert an bessere Zeiten, für paar Sekunden zumindest, vor dem Beschuss des Geschäftes zumindest, dann fleißig Maschinengewehrfeuer und andere Schnellwaffendemonstration, einiges in Bewegung, mal rabiat, mal in Zeitlupen gehalten.
Fleißig Kugelhagel wechselt sich ab mit Explosionen und einer Stürmung des Ladens durch ein hinein preschendes Fahrzeug, ansonsten wird sich auch mal in Ruinen herumgetrieben, ein Elendsfilm mit alten, ehemaligen Fabriken, zwischendurch ein Kommandowechsel, etwas Streiterei als Form einer Dramaturgie, schauspielerisch zweckdienlich, durch die Synchronisation bei Ng schon etwas nachteilig und nicht zu dessen Gunsten gehalten. Aufnahmen aus der Vogelperspektive geben in etwa die Orientierung vor, ansonsten ein B-Picture von den Schauplätzen (verrostete Lagerhallen, stillgelegte Werksstätten etc.) her schon und der Geschichte sowieso, mal ein Zweikampf eingeflochten, die Fähigkeiten und Fertigkeiten von On herausfordernd und auch genossen. Die Bösen in der Handlung sind auch immer da, wo sie nicht sein sollen, zur falschen Zeit am richtigen Ort nämlich, die eigentlichen Antreiber der überschaubaren Handlung, ein paar Bauernopfer und Kollateralschäden, die Action in entsprechenden Szenen ist solide, zuweilen Glasstunts, zuweilen eine agile Kameraarbeit, die die Übersicht nicht verliert, die die Kopfschüsse und andere Körpertreffer einfängt, die Gewinne und Verluste aufnimmt, die Sorgen und die Nöte, mit ab und an durchhängender Spannungsleitung, gerade mittig ist oft ein Problem bei derlei Filmen zu sehen; vor Jahren hat man mit Einstündern angefangen, mittlerweile wird zu Neunzigmütern ausgewechselt, was sich deutlich bemerkbar, eine halbe Stunde mehr Erzählung, die Königsdisziplin, oftmals scheiternd, so auch hier. Das letzte Drittel wird dann wieder etwas athletischer, man steht unter Zugzwang, man versucht die Infiltration, man geht taktisch vor, mit den Gewehren voran, zwischendurch auch die Messerattacke oder der waffenlose Kampf; wobei man durchaus einige Einfälle bei der Inszenierung (inklusive Handgranatenwurf) dessen hat, aber nicht allzu viele, es ist mehr Masse als Klasse.