Review

Für Trickspezialist Ray Harryhausen war es eine der letzten Arbeiten, doch trotz des kommerziellen Flops genießt „Kampf der Titanen“ in Fankreisen Kultstatus.
Für Sagenpuristen ist das nicht wirklich etwas, denn „Kampf der Titanen“ nutzt die alte Perseus-Sage als roten Faden, räubert sich aber quer durch die griechische Mythologie, um die Geschichte spektakulärer und aufsehenerregender zu machen. Der zweiköpfige Hund, der Abstieg ins Totenreich (inklusive Treffen mit Charon, dem Fährmann in den Hades) usw. – all das stammt aus anderen Sagen, der unsichtbar machende Helm ist gar eine Abwandlung der Tarnkappe aus der deutschen Nibelungensage. Zudem wurde die Sage chronologisch gänzlich umgeordnet, doch die wichtigsten Charaktere sowie Ereignisse (Medusa, Pegasus, Seeungeheuer usw.) kommen immer noch vor.
Perseus (Harry Hamlin) ist der Sohn einer Prinzessin, vom Göttervater Zeus (Laurence Olivier) höchstpersönlich gezeugt. Sein Großvater, der eifersüchtige Tyrann von Argos, ließ Perseus’ schwangere Mutter aussetzen, doch sie wurde von den Göttern gerettet und Argos zur Strafe zerstört. Die Götter spielen hier eine wichtige Rolle, treten in Person auf, wirken aber nur selten lächerlich (oft sind solche Darstellungen ja am Rande der Peinlichkeit), sondern oft ziemlich stimmig als himmlische Lenker.

Die Meeresgöttin Thetis (Maggie Smith) lässt Perseus nach seinem Erwachsenwerden in einem fremden Land erwachen, wo er einige Abenteuer bestehen muss, unter anderem die Rettung der holden Prinzessin Adromeda (Judi Bowker)…
„Kampf der Titanen“ ist ein buntes Zitatengemisch, dem Unterhaltung über werkgetreue Adaption sieht, wie man bereits an der starken Abweichung von der Perseus-Sage sieht. Doch trotz der großen Lauflänge ist das Spektakel ziemlich kurzweilig geraten und hat nur wenige Hänger. Auch bei der Ausstattung hat man sich nicht lumpen lassen und fährt Masken und Kostüme auf, welche für die damalige Zeit ziemlich aufwendig sind.
Etwas schwer verdaulich ist die bisweilen arg naive Ader des Films, die sich vor allem in den fast kindlich simplen Dialogen niederschlägt. Die Götter schwallen bisweilen etwas pathetisch daher, was arg klischeehaft wirkt, und gerade bei den Dialogen zwischen den Liebenden Perseus und Adromeda beweist der Drehbuchautor kein allzu großes Geschick, denn bei dem Geseier krempeln sich fast die Fußnägel hoch. Glücklicherweise sind derartige Momente nicht allzu zahlreich, denn hier geht es darum möglichst häufig was auf die Glocke zu geben.

So darf man sich über ein paar Prüfungen für den Helden (Befragung menschenfressender Seherinnen, Zähmung Pegasus’ usw.) freuen, vor allem aber über Kämpfe mit zahlreichen mythologischen Schuften vom doppelköpfigen Hund über Riesenskorpione bis hin zur Medusa. Inszenierung und Choreographie sind ordentlich, doch das wahre Highlight sind die Stop-Motion-Tricks von Ray Harryhausen, welche allerlei Fabelgetier zum Leben erwecken. Viele Tricks mögen heutzutage durchschaubar sein, doch trotzdem haben sie immer noch den einnehmenden Charme handgemachter Effektarbeit. Etwas daneben ist nur die mechanische Eule, die als Zugeständnis an den „Star Wars“-Boom sich ähnlich quietschend wie R2-D2 verständigt.
Schauspielerisch wurden hier nicht unbedingt Titane verpflichtet, vor allem Harry Hamlin ist nicht unbedingt ein großer Held von Schrot und Korn, sondern bisweilen etwas milchbubihaft. So fallen dann vor allem bekanntere Nebendarsteller wie Burgess Meredith, Maggie Smith oder Laurence Olivier auf, die Film mit ihrer Anwesenheit und ihrem Können veredeln, auf.

Etwas Staub mag „Kampf der Titanen“ ja angesetzt haben und die Naivität in den etwas gestelzten Dialogen nervt gelegentlich, doch viel Kurzweil bietet das bunte Spektakel dank des hohen Tempos, charmanter Tricks und einiger Kampfszenen schon, was gute 7,5 Punkte von mir gibt.

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