Das Kino wirft endlich wieder Molotowcocktails!
Obwohl sein langjähriger „Liebling“ Daniel Day-Lewis mittlerweile seine Schauspielkarriere wieder aufgenommen hat, zumindest für seine eigene Tochter, realisiert Paul Thomas Anderson mit einem anderen Megastar „One Battle After Another“ (bin ich eigentlich der Einzige, der den Work-in-Progress-Titel „The Battle of Baktan Cross“ besser fand?!): Leonardo Di Caprio spielt Bob Ferguson, einen etwas paranoiden und vercheckten Freiheitskämpfer, der mit seiner Gruppe linker Extremisten über die Jahre Anschläge verübt hat und der nun gegen einen radikalen Colonel „in den Krieg zieht“, da dieser seine Tochter entführt und scheinbar noch eine Rechnung offen hat…
Kämpfen, fallen, gewinnen…?!
Das letzte Mal so gefühlt nach einem dreistündigen Hollywoodepos von heute habe ich mich nach dem Kinobesuch wahrscheinlich bei „The Wolf of Wall Street“, ironischerweise auch mit Di Caprio. Jip, auf diesem legendären Level operiert P.T.A.'s neuester Streich und ist klipp wie klar ein Anwärter auf den besten Film des Jahres und den der Gute je gemacht hat. Und auch das heißt natürlich etwas mit solchen Brechern wie „Magnolia“ oder „Boogie Nights“ im Portfolio. Anderson ist ohne kleinsten Zweifel einer der feinsten aktiven Regisseure weltweit und wird zurecht von Kommilitonen wie Filmnerds allerorts bewundert. Und „One Battle After Another“ unterstreicht das nochmal eindrucksvoll. Selten haben sich drei Stunden kurzweiliger, treibender und instinktiver angefühlt. Jede Sequenz sinnvoll, etliche Shots wunderschön, Meister bei der Arbeit an jeder Ecke, in jedem Department, an jeder kleinsten Schraube. Und Anderson hält und führt das zusammen als ob das sein letztes Statement überhaupt wäre. Di Caprio war nie über diesem Niveau. Penn ist jetzt schon der vielleicht einprägsamste Bösewicht dieses Kinojahrzents. Der jazzige, fast freestylige und immer pushende Score braucht keine Verschnaufpausen. Dazu eine exzellente Balance aus Anspannung (Shootouts, Verfolgungen, Überfälle, Rassismus) und humorvollen Sprüchen, Überraschungen, Tollpatschigkeiten, Nebenfiguren, Filmzitaten. Immer unberechenbar, immer druckvoll, immer on point. Trotz epischer Laufzeit straff und nahezu fettfrei. Und obendrauf mit einer spannenden Story auf der sichtbarsten Ebene - aber auch darunter mit einigen Interpretationsmöglichkeiten und Statements zu unserer Ära wie auch zu zeitlosen Kämpfe seit jeher. Fast schon „Gut gegen Böse“, selbst wenn sich das etwas platt und klischeehaft anhört. Western, Thriller, Komödie, Drama, Action, Krieg. Alles drin, alles dran. Perfekt abgeschmeckt, perfekt vermixt. „Instant Classic“ habe ich schon ewig nicht mehr mit dieser Zuversicht gesagt. Man legt sich einfach gerne in diesen filmischen Sog - und spürt sofort, dass man sich in den Händen eines Meisters befindet. Und zwar einer, der noch immer mächtig Bock und Power und Wut im Bauch hat. Ein Film über Frustration, der nie frustrierend wird. Ein Film über Rebellion, der nie aufgibt. Ein Film über das Kämpfen, nach dem man quasi direkt selbst an die Waffen möchte. Oder auf die Couch erstmal einen buffen. Beides passt. Hör du, lieber P.T.A., jedoch bitte niemals auf zu kämpfen, zu drehen, mit diesem filmischen Widerstand. Und dieser Form von (anspruchsvollem) Entertainment. Ein großes Werk über das man Ende des Jahrzehnts noch sprechen wird, das dem Sandsturm der Zeit trotzen wird. Das ich am liebsten direkt nochmal sehen würde. Das ich nicht wärmer empfehlen kann.
Viva La Menage-a-Trois!
Fazit: ein nahezu perfekter Film - P.T.A. ist noch immer auf seinem Zenit! Wenn man dieses Jahr nur einen Film guckt - tut euch den Gefallen und lasst es „One Battle After Another“ sein!