Anker (Nikolaj Lie Kaas) kommt nach 15 Jahren aus dem Gefängnis. Das Geld des Banküberfalls – mehr als 5 Millionen Euro – hat er vorher seinem psychisch kranken Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) anvertraut, der es irgendwo beim Haus der Mutter vergraben sollte. Nun will Anker schleunigst an sein Geld, unter anderem, weil sein brutaler Ex-Partner, der „freundliche Flemming“ (Nicolas Bro) hinter ihm her ist.
Problem: Manfred heißt nicht mehr Manfred und unternimmt bei der bloßen Erwähnung seines Namens einen Selbstmordversuch. Manfred ist jetzt John. John Lennon. Um Zugang zum Bewusstsein seines „alten Bruders“ zu erlangen, tut sich Anker mit einem dubiosen Arzt mit IKEA-Fetisch zusammen, um die „Beatles“ wieder auferstehen zu lassen.
Autor und Regisseur Anders Thomas Jensen hatte vor 20 Jahren große Erfolge mit THE GREEN BUTCHERS und ADAM’S APPLES, seine letzten Filme MEN & CHICKEN und RIDERS OF JUSTICE sind etwas untergegangen, doch DEN SIDSTE VIKING könnte wieder zu einem kleinen Arthouse-Hit werden. Allein die Besetzung ist ein Traum: von den Hauptdarstellern bis zu größeren Nebenrollen mit Sofie Gråbøl (KOMMISSARIN LUND) und Søren Malling (BORGEN) sind zahlreiche prominente Gesichter aus Jensens Filmen und dänischem Prestige-TV vertreten. Die Typen sind herrlich schräg, die Story wunderbar abgefahren und unter der Oberfläche liegt eine Ernsthaftigkeit, die dem Film einerseits Tiefe, andererseits aber auch eine gewisse Schwere verleiht.
Allerdings schint es manchmal, als wolle Jensen mit der Brechstange an seinen größten Erfolg, ADAM’S APPLES, anknüpfen: zu gewollt erscheint manch provokant gemeinter Scherz, z. B. über den Holocaust, zu grausam sind manche dargestellten Brutalitäten. Nicht immer stimmt die Balance zwischen schwarzer Komödie, Familiendrama und Thrillerelementen, so gerät der Film tonal immer wieder aus dem Gleichgewicht. Darüber hinaus ist es grundsätzlich etwas problematisch, wenn psychische Krankheiten auf die hier gezeigte Weise vereinfacht und verharmlost werden. Das ist dann eher eine filmische Schocktherapie, die im Widerspruch zum ernst gemeinten Thema der Traumabewältigung steht.
6.5/10