Man-soo (Lee Byung-hun) geht es gut. Er hat eine verantwortliche Stellung in einer Papierfabrik und lebt mit seiner Ehefrau (Son Ye-jin), einem Sohn aus deren erster Ehe, der gemeinsamen Tochter und zwei Hunden in einem geräumigen Haus im Grünen. Sein Hobby ist die Zucht von Bonsais, weshalb er ein schönes Gewächshaus sein eigen nennt, die Gattin spielt Tennis, die Tochter nimmt Cello-Stunden und der Sohn schaut gerne Netflix. Diese Idylle wird jäh zerstört. Die Papierfirma wird von einem amerikanischen Unternehmen übernommen und es passiert, was dann immer passiert. Es werden Leute entlassen, darunter auch der völlig perplexe Man-soo. Denn in Korea bedeutet eine Entlassung quasi "Kopf ab". Neben dem Job verliert man auch das gesellschaftliche Ansehen, die gesamte Persönlichkeit wird ausradiert. Man-soo gibt sich optimistisch und rechnet innerhalb kürzester Zeit mit einer neuen lukrativen Position. Doch nach mehr als einem Jahr hat sich an seiner Situation nichts geändert. Er quält sich durch auszehrende Aushilfsjobs, das Geld geht zur Neige, die Hypothek für das Haus wird fällig, drum wird ein Auto verkauft, das andere durch einen Kleinwagen ersetzt, Tennis, Cello und Netflix werden gestrichen, die Hunde an die Großeltern abgegeben. Dass die Ehefrau bei einem jungen Zahnarzt eine Halbtagsstelle antritt, gibt Man-soos zerrütteten Persönlichkeit den Rest und sorgt überdies für Eifersucht. Als dann von einer japanischen Papierfirma ein Manager gesucht wird, sieht der Protagonist keine andere Wahl als die Konkurrenten aus dem Weg zu schaffen, was ihm auch mit teils einfallsreich inszenierten, teils von Zufällen begünstigten Mordanschlägen gelingt. So erhält er die Stelle, doch das Damoklesschwert der Entlassung aufgrund fortschreitender Mechanisierung/Digitalisierung schwebt weiter über ihm.
Park Chan-wook stand der Sinn nach dem düster-verschachtelten (und rundum beeindruckenden) DIE FRAU IM NEBEL offenbar nach etwas leichtgewichtigem Humor. Besonders die erste Hälfte des Films ist geradezu slapstickhaft überzeichnet, im weiteren Verlauf wird der Humor immer schwärzer ... doch es bleibt Humor. Ich finde, der (von mir überaus geschätzte) Regisseur hat sich in der Tonlage vergriffen. Mir ist das doch zu albern/komödienhaft geraten als dass ich im Weg des Protagonisten ein ernsthaftes Drama erkennen konnte. Denn es handelt sich ja um ein sehr ernstes Thema, eine Entlassung, mit all ihren Folgen, kann jederzeit jeden treffen. Und ob es wirklich immer keine andere Wahl gibt möchte ich einmal dahingestellt sein lassen, da ist mir die Botschaft des Films zu pessimistisch.
Kommen wir zu den erfreulichen Aspekten. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen auf der ganzen Linie, der Rest des Casts ist nicht zu kritisieren. Der Film ist mal wieder überaus raffiniert inszeniert, mit einer wunderbaren Kamera und so manchem tollen visuellen Einfall.
Insgesamt gesehen ist das immer noch ordentlich, im großartigen Oeuvre von Park aber - zumindest für mich - kein Highlight.