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Man-su hat alles: Traumhaus, Traumfamilie, zwei Hunde und ein prächtig gefülltes Gewächshaus. Doch die Freude währt in Park Chan-wooks Film nur wenige Minuten, bis Man-su alles zu verlieren droht. Denn der Aal, den die Geschäftsleitung der Papierfabrik ihrem Top-Manager und „Pulpe Mann des Jahres“ geschickt hat, ist zwar ein Dankeschön, aber gleichzeitig auch ein Abschiedsgeschenk. Downsizing nach dem Aufkauf der Firma. Der Papierbranche geht es schlecht und entsprechend schwer fällt es Man-su, einen adäquaten neuen Job zu finden. Die Familie muss sparen, die Hunde wandern zu den Schwiegereltern (trotz Hundehaarallergie), das Traumhaus steht kurz vor dem Verkauf. Da fasst Man-su einen verrückten Plan, um sich den begehrten Management-Job bei einem innovativen Papierkonzern zu sichern: Die Konkurrenz muss weg! 

Das Jahr 2025 beschert uns nun schon das zweite ebenso unerwartete wie bemerkenswerte Remake: Nachdem der Grieche Yorgos Lanthimos mit BUGONIA den südkoreanischen SAVE THE GREEN PLANET! adaptierte, verfilmt nun der koreanische Regisseur Park Chan-wook LE COUPERET (THE AX) des griechischstämmigen Costa-Gavras neu. 

Beide Filmversionen basieren auf dem Roman von Donald E. Westlake. Dessen Inhaltsangabe liest sich so: „Burke Devore ist ein Manager mittleren Alters in einer Papierfabrik, als Sparmaßnahmen greifen und er entlassen wird. Achtzehn Monate später ist er immer noch arbeitslos und geht seine Jobsuche auf neue Weise an – mit quälender Sorgfalt findet Devore die sieben Männer in seiner Umgebung, die den Job bekommen könnten, der eigentlich ihm zusteht, um sie systematisch zu töten. Er verwandelt sich von einem sanftmütigen Manager mittleren Ranges in einen skrupellosen Mörder und entdeckt dabei Fähigkeiten, von denen er nie wusste, dass er sie hatte – und die ihm viel zu leicht fallen.“ 

Was klingt wie ein schnörkelloser Thriller und bei Costa-Gavras zum bösen Kapitalismuskritik-Krimi wurde, inszeniert Park Chan-wook als Satire am Rand der Absurdität. Man-sus unbeholfene Versuche, sich seiner potenziellen Konkurrenten zu entledigen, sind ebenso jämmerlich wie die Leben seiner Opfer selbst: die ehemaligen Manager werden als armselige Würstchen gezeigt, denen der Verdrängungswettbewerb noch stärker zugesetzt hat als Man-su. Park gelingt es dabei ebensowenig wie Costa-Gavras, die Motivation seiner Hauptfigur und seine Entwicklung zum Killer glaubhaft zu vermitteln. Allerdings ist sein Film deutlich weniger realistisch angelegt, so dass man hier eher darüber hinwegsehen mag. 

Weitaus schwieriger ist es, die inszenatorischen Mängel des Films zu ignorieren – und das ausgerechnet bei einem Klasse-Regisseur wie Park. 

Das Erzähltempo ist schleppend, viele Szenen werden quälend lange ausgespielt, ohne dass sich dadurch eine andere Wirkung als Langeweile einstellt – und das über eine Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden. Dafür stolpert man in andere Szenen hinein, ohne rechte Orientierung, was hier gerade geschah – bei anderen Filmen durchaus ein bewusstes Stilmittel, hier lässt sich der Sinn nicht ergründen. Man hat bisweilen den Eindruck, hier erst einen Rohschnitt des Films zu sehen. 

Das Potenzial vieler Szenen – seien es komödiantische oder Spannungssequenzen –  wird erst gar nicht ausgeschöpft, so als wolle Park bewusst gegen den Effekt inszenieren (dass er anders kann, hat er in seinen bisherigen Werken mehrfach bewiesen). Nur ganz selten zündet der Humor, meist schüttelt man nur den Kopf ob der absurden Entwicklungen. Auch die Bildkompositionen und Szenenübergänge, die der Regisseur in STOKER zur Perfektion brachte und die auch seinen letzten Film DECISION TO LEAVE so elegant gestalteten, findet man nur spärlich in NO OTHER CHOICE. 

Einzig in seiner Schlusspointe, die sich sowohl von der Romanvorlage als auch von der Ersteverfilmung entfernt, blitzt ein wenig von der bissigen Satire durch, die dem Film insgesamt sehr gut getan hätte.

6.5/10

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