Manchester By The Thief
„Roofman“ ist zwar starbesetzt und mit Toys'R'Us oder McDonalds auch markentechnisch prominent untersetzt, doch im Grunde ist dieser liebenswerte Genremix ein sehr kleiner und persönlicher Film aus diesem Kinojahr… Erzählt wird (berührend und beruhend auf wahren Begebenheiten!) von einem legendären Räuber mit Manieren, der nach dutzenden Einbrüchen auf Fast Food-Ketten verknackt wird. Und recht flott wieder ausbricht. Um in einem Toys'R'Us wochenlang unentdeckt Unterschlupf zu finden…
Kriminelle Spielwarenenergie
Channing Tatum zeigt in „Roofman“ einmal mehr Körperlichkeit und Einsatz, allerdings nun auch durchaus emotional, sensibel und seelisch-empfindlich. Und das ohne dass „Roofman“ je in irgendeiner Phase kitschig oder filmisch-einsilbig würde. Es ist ein gutes, sympathisches Paket mit dem Herz am richtigen Fleck. Kriminalität samt seinen ganz persönlichen Gründen wird mal etwas anders beleuchtet. Tatum zeigt wie gesagt mehr Variation und Palette als meist. Und ein Schauplatz wie ein leerer Toys'R'Us in den frühen 00ern ist natürlich gerade für meine Generation ein feuchtes Träumchen mit rosaroter Brille. Das Finale des Super Toy Clubs stößt hier auf Gangsterkino a la „Inside Man“ mit Seele. Und das gefällt mir. Das kann einem fast nur gefallen, würde ich meinen… Ein charmanter Crowdpleaser. Mit gleichsam lustigen, herzlichen wie traurigen und vor allem vielen ehrlichen, ungeschönten und unaufgeblasenen Momenten. Ein stabiler Cocktail, der meinen Kindheitstraum „Alleine eingesperrt zu sein im Toys'R'Us“ (bei mir war das damals die riesige Filiale in Köln-Holweide, die leider längst einem Rewe gewichen ist und die ich meinem eigenen Sohn bedauerlicherweise nie mehr zeigen kann) ganz neue Facetten hinzufügt. Eine vielseitige wahre Geschichte. Eine runde Charakterstudie. Zwischen Fahrrädern, „GTA: Vice City“ und Batmanfiguren.
Fazit: Bittersüßer Genredehner zwischen Kriminalität, Familie und Nostalgie. Über Neuanfänge, Alltagsflucht und der Vergebung seiner selbst. Geht gut durch!