Glut der Sonne (1967) von Gianni Puccini
...Ein blutüberströmter Reiter erreicht sterbend das Anwesen der Campos. Es ist Paco, Lieblingsenkel von Senior Pedro Campos, der kurz vor seiner Hochzeit stand. Sofort steht fest - die verhassten Gringos der Mounters Ranch sind dafür verantwortlich! Unter Campos' Männer entbrennt die blanke Wut und der Ruf nach Vergeltung! Daraufhin schlägt Senior Campos (Rufino Ingles) dem alten Bill Mounters (Luis Induni) vor, die seit Generationen andauernde und mit Blutrache geführte Familienfehde durch ein Duell der beiden ein für allemal zu beenden. Die Partei des Verlierers soll danach für immer aus Kalifornien verschwinden. Mounters willigt ein und schlägt als Schiedsrichter einen Rechtsanwalt vor. Doch das vereinbarte Duell läuft anders ab, als geplant und schürt noch mehr Hass zwischen den Campos und den Mounters. Die Sache wird zusätzlich kompliziert, als sich der junge Johnny Mounters (Peter Lee Lawrence) in die bildhübsche Giulietta "Julia" Campos (Cristina Galbo) verliebt. Diese erwidert seine Gefühle und eventuell könnte eine Liebe zwischen den beiden, insbesondere mit einer etwaigen Hochzeit die jahrelange Feindschaft der Familien beenden. Doch die Gräben sind tief und außerdem will bereits Sheriff Cooper (Piero Lulli), der den Campos nahesteht, Julia heiraten...
Dieser Spaghettiwestern "fühlt" sich die erste Zeit an, wie ein US-Western und bietet neben üppiger Ausstattung auch ungewohnt schöne Landschaftsaufnahmen bei Bilderbuchwetter. Dementsprechend macht sich eine angenehme Atmosphäre breit, die durch den wohlklingenden Soundtrack verstärkt wird, der auch Banjoklänge enthält. Erst im Verlauf des Films kommt immer mehr der Charakter und das Temperament eines Italowesterns zum Vorschein.
Wie zu erwarten war, brilliert Peter Lee Lawrence in seiner Rolle, aber auch Piero Lulli und Andres Mejuto, der den einarmigen Gauner "Left Hand" spielt, fallen äußerst positiv auf. Lawrence, dem hier Diether Krebs seine Stimme lieh, hätte ich persönlich lieber mit einer anderen Klangfarbe und wie üblich mit einer etwas höheren Stimmlage gehört. Etwas nerviger war dann aber die Titelmelodie, die sich eigentlich sehr schön anhört, aber auch ständig, in allen möglichen (Instrument-)Variationen wiederholt. :(
Auch kameratechnisch bin ich nicht ganz zufrieden: Dieser Film ist im Original Breitbildformat 1:2,35 zu sehen, man hat aber stellenweise das Gefühl, dass das Bild früher höher war und nachträglich abgeschnitten wurde, da manche Spitzen von Hügelketten aber auch Köpfe "rasiert" aussehen, weil der Bildausschnitt einfach zu groß ist. Aber nicht nur die Bildkomposition leidete hin und wieder darunter, denn bei einer intensiven Schießerei bspw. werden Opfer teils anvisiert, man sieht aber nicht ob diese dann auch getroffen wurden. Munition wird übrigens reichlich verschossen und es gibt auch einige tolle Höhepunkte zu sehen, aber von der Handlung läuft größtenteils alles automatisch ab. Soll heißen, keiner schmiedet Pläne, es fehlt quasi eine gewisse Raffinesse. Darüber hinaus gibt es auch keine echten Überraschungen oder Wendungen. Die Liebelei von Johnny und Julia ist zwar handlungsrelevant, nimmt dem Film aber auch immer wieder ein Stück den Schwung. Auch finde ich es etwas unprofessionell, wenn mit einem Revolver, dessen Trommel üblicherweise nur 6 Patronen fassen, mehr als 6 x geschossen werden kann, ohne vorher nachzuladen! ^^ So muss ich für den Soundtrack, der im Prinzip nur aus einer Melodie besteht, der nicht fehlerfreien Kameraarbeit und einigen Längen leider 3 Punkte abziehen - bleiben also 7 von 10!
Die Bild- und Tonqualität der DVD VÖ durch KOCH MEDIA ist einwandfrei. Allerdings stimmen die wählbaren dt. Untertitel überhaupt nicht mit der Synchro überein und sind teils auch nicht sinngemäß. So wird dann schonmal aus einem Lieblingsenkel, der Lieblingsneffe! ^^ Ebenso ist die angegebene Laufzeit falsch! Statt 98 sind es nur 84:34 Minuten.
Und was den Coverdruck betrifft: In einem Western ist eine Romanze oder Liebe nichts Ungewöhnliches. Aber nur weil das Pärchen aus verfeindeten Familien stammt, ist es deswegen noch keine Westernadaption von Shakespeares "Romeo & Julia"! Hierfür fehlt ja dann mind. der ganze dramatische Schlussakt, in dem sich Johnny und Julia noch umbringen müssten! Die beiden verliebten sich übrigens auch in Wirklichkeit ineinander und heirateten 1969. Auch ist die besondere Erwähnung von Paul Naschy eigentlich nicht wichtig, denn man sieht sein Gesicht ja eh nicht (mehr will ich dazu nicht verraten). Diese Rolle hätte quasi fast jeder Mann spielen können und die Naschy-Fans würden mit diesem Film wohl enttäuscht. Ganz abgesehen davon, dass die Szene mit seinem Auftritt zwar originell ist, aber auch verzichtbar gewesen wäre, da sie eher Verwunderung auslöst!
Sei's drum - "Glut der Sonne" ist auf jeden Fall ein lohnender Italowestern! Wer jedoch eine noch bessere Alternative zu zwei verfeindeten Klans sucht, dem möchte ich "Keinen Cent für Ringos Kopf" empfehlen, über den ich ebenfalls ein Review verfasst habe.
Viel Spaß und gute Unterhaltung! ;)