Von der Radarforschung in die Kanalisation!
Es geht wieder abwärts. Bei bis zu vier Charlie Chans, die Monogram rund um das Kriegsende auf den Markt warf, musste die Qualität zwangsläufig schwanken und bisweilen merkt man den Filmen an, dass in manche etwas mehr Sorgfalt und vor allem Geld geflossen ist und bei anderen dann weniger zur Verfügung stand, so dass offensichtlich an allen Ecken und Enden gespart wurde.
„The Shanghai Cobra“ ist so ein „Sparfuchs“ und man merkt es an allen Ecken und Enden. Das fängt schon beim Titel an, denn es geht hier nur zwecks Whodunit-Gründen um einen Killer, der mal in Shanghai aktiv war und sich unerklärlicherweise als Markenzeichen dem Kobragift bedient hatte. Das ist nicht nur umständlich, sondern als Alleinstellungsmerkmal geradezu dämlich, wenn man acht Jahre inaktiv war, weil man für tot gehalten wurde. Sowohl von Shanghai als auch vom Kobragift ist im Film wenig zu sehen, das alles dient nur als MacGuffin für einen Standardfall, der auch nicht das Gelbe vom Ei ist.
Alles beginnt mit einem seltsam unverständlichen Noir-Entrée, bei dem eine Frau und zwei Männer einander in und rundum einen Coffeeshop verfolgen, was aber mangels Erklärung zu völligem Wirrwarr führt. Erst später erfährt man von den Beziehungen und Verwicklungen der Figuren, da es offenbar unter Mitarbeitern einer Bank zu mehreren Todesfällen kommt. Abgelenkt wird davon eben nur durch den sogenannten „cobra killer“, der, wie uns ein sehr einfach angefertigter Rückprojektions-Rückblick (amateurhaft könnte man ihn auch nennen) zeigt, vor Jahren mal von Chan in Shanghai überführt worden war, um dann komplett bandagiert bei der Überführung über Bord zu gehen (Bandagiert bedeutet natürlich, dass ihn in diesem Film niemand erkennen kann!).
Im Kern der Handlung steht eine obskure New Yorker Bank, die nicht nur massiv Kohle hortet, sondern in einem seltsamen Fall von In-Sourcing auch den Hauptteil der Radium-Reserven der USA, welche, hier offenbar komplett ignoriert, hochgradig radioaktiv sind.
In diese ach so dolle Bank kann man mittels einiger Geheimgänge in der Kanalisation einsteigen, was bekannten „komischen“ Nebenfiguren Gelegenheit gibt, albern durch einige dunkle Studioräume zu poltern.
Mit im Spiel ist auch noch eine nicht näher erläuterte „Video Jukebox“ in dem Coffeeshop, durch die ein weiblicher „operator“ die jeweils münzeinwerfenden Kunden beobachten kann – faszinierende Idee, aber wenig glaubhaft. Am Ende gibt es noch einen kleinen Doppeltwist, der diesen doch weitgehend eher drögen Fall auch nicht mehr aufwerten kann.
Aber all das ist noch gar nichts gegen den furchtbaren Low-Budget-Chan, der auf diesen schwachen Fall folgen sollte. (4/10)