Review

iHaveCNit: Hamnet (2026) – Chloe Zhao – Universal

Deutscher Kinostart: 22.01.2026

gesehen am 31.12.2025 in OmU

Arthouse-Kinos Frankfurt – Eldorado – Reihe P8, Platz 1 – 20:30 Uhr

Erzählt wird die Geschichte der naturverbundenen, geheimnisvollen Agnes im 16. Jahrhundert in einem englischen Dorf, die dort den Lateinlehrer William kennen- und lieben lernt, ihn heiratet und die beiden erst eine Tochter bekommen und danach mit viel Glück die beiden Zwillinge Judith und Hamnet. Das Leben der Familie ist gut, bis sich für William beruflich neue Chancen in London ergeben. Noch ahnt die Familie nicht, welche tragischen Schicksale sie erwarten wird und wie sie einen Weg finden, diese Trauer verarbeiten zu können.

Die Oscargewinnerin Chloe Zhao hatte nach ihrem Erfolg „Nomadland“ mit „Eternals“ einen durchaus interessanten Ausflug im damals strauchelnden, orientierungslosen Marvel Cinematic Universe zwischen Endspiel und Weltuntergang, der aufzeigt, dass ihr durchaus impressiver, esoterischer und spiritueller Stil weniger für große Blockbuster funktioniert und eher geeigneter im Oscarkino und entsprechenden Arthouse-Dramen. Und hier ist mit „Hamnet“ als nächstes Filmprojekt definitiv wieder ein Film dabei, der bei der aktuellen Award-Saison durchaus Wellen schlagen könnte. Basierend auf dem Buch „Judith und Hamnet“ von Maggie O´Farrell, die gemeinsam mit Zhao das Drehbuch geschrieben hat, versucht sich Zhao an einer Art Historiendrama und biographischer Aufarbeitung von Abschnitten im Leben des legendären William Shakespeare aus der Perspektive seiner Frau Agnes. Da jedoch einiges über das Leben eher nebulös und geheimnisvoll bleibt, ist natürlich „Hamnet“ als Film eher als fiktives Historiendrama statt einer ernst zu nehmenden Filmbiographie und Ursprungsgeschichte zu Shakespeares Werk „Hamlet“ zu werten. In Zhaos Film bekommen wir vor allem mit Jessie Buckley, Paul Mescal und dem jungen Jacobi Jupe ein großartiges Schauspiel geboten, die die Tragik, die Tour De Force und die Katharsis richtig spürbar werden lassen. In der Ausstattung, der audiovisuellen Gestaltung und der gesamten Inszenierung sieht der Film auch sehr gut aus. Die gebotene Geschicht selbst hat mich natürlich emotional berühren können. Jedoch stehe ich am Ende zwiegespalten dem Film gegenüber, weil die sprunghafte Erzählung der Ereignisse eher wie Momentaufnahmen wirken und nur lose die Charakterentwicklungen nachvollziehbar sind, die sonst auch eher absolut behauptet hätten wirken können und die Dramaturgie damit sehr holprig unter ihren Möglichkeiten bleibt. Für mich, der eher weniger mit Spiritualität und Esoterik anfangen kann, respektiere zwar den filmischen Ansatz hier eine spirituelle, esoterische Katharsis der Trauerverarbeitung durch darstellende Künste, kann mich damit aber weniger anfreunden, weil das für mich eher befremdlich und wenig natürlich ist. Da hat zum Beispiel für mich die Komponente von darstellender Kunst zur Bewältigung innerfamiliärer Traumata und Konflikte bei Joachim Triers „Sentimental Value“ wesentlich besser, bodenständiger und natürlicher funktioniert.

„Hamnet“ - My First Look – 8/10 Punkte




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