Yoko lebt in einem fast schon vermüllten, verdunkelten Appartement. Sie ist online tätig und scheint auch die Dinge des täglichen Lebens online zu bestellen. Eines Tages klopft ihr Schwager um ihr die Nachricht mitzuteilen, das ihr Vater verstorben ist und die Trauerfeier am nächsten Tag bevorsteht. Sie solle sich vorbereiten, ein paar Sachen packen. Sie wirkt nicht sonderlich beeindruckt, wirkt eher versteinert, legt ein Trauergesicht auf. Shigeru, der Schwager, kündigt sich dann an sie abzuholen, um mit ihm, ihrer Schwester Rie und deren beiden Kindern im Kleinbus in den Norden nach Aomori zu reisen, dem Ort ihrer Kindheit und der Trauerfeier. Die Abreise aus ihrer Wohnung kostet sie größte Überwindung, im Auto der Familie ist sie auch eher unsichtbar, unfähig zu kommunizieren. Auf einem Rastplatz schafft es der kleine Kaito sich den Arm zu brechen. Die Familie fährt panisch in ein Krankenhaus. Sie lassen Yoko ohne Hinweis zurück. Diese, jetzt ohne Familie, mit wenig Bargeld und ohne Handy (das ging ihr tags zuvor zuhause kaputt) macht sich alleine auf die Reise nach Norden...
So beginnt Yokos Reise zurück in die Menschheit und ihre eigene Geschichte. Die, die sich 20 Jahre in ihrer Wohnung versteckt hat muß wieder lernen, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Und wie sie diese Reise letzendlich meistert ist absolut überwältigend. Als sie anfangs die Wohnung verlassen muß wirkt sie wie ein verängstigtes Tier, das in die Gefahr raus muß, aber nicht will. Rinko Kikuchi, die wahrscheinlich nie schöner und beschützenswerter war als in diesem Film, liefert hier die Rolle ihres Lebens. In diesem Film wirkt sie dauerhaft erschöpft und überfordert. Die Rolle der Yoko ist hier das genaue Gegenteil ihrer selbstbewußten Powerfrau in Terra Formars. So, wie Cocco in Tsukamotos Kotoko sich selbst spielt, schafft es Kikuchi, das Leid und die Einsamkeit und die Qual der Yoko darzustellen, als wäre es kein Schauspiel. Das hat sie auch schon in Inarritus Babel geschafft, hier ist sie zu wahrer Größe aufgelaufen. Wie wir in den Extras sehen, ging das Ganze Projekt auch nicht spurlos an ihr vorbei.
Auf ihrer Reise wird Yoko von ihrem sprachlosen Vater (Joe Odagiri, cool wie immer) begleitet. Dieser taucht ab und zu auf, bietet der Yoko Raum, sich mit ihm auseinander zu setzen, zu reflektieren, über ihr verpfuschtes Leben. Ohne viel zu spoilern, es gibt hier eine Lebensbeichte in einem Monolog über 5:23 Min., ohne Schnitt und in Großaufnahme, die erschütternder nicht sein kann. Wer hier keine Tränen vergießt sollte den Film ignorieren. Das Ende der Reise ist dann auch zutiefst bewegend und absolut herzzerreissend aber auch erlösend. Es macht wenig Sinn hier auf mehr Inhalte einzugehen. Dieser Film und Kikuchis Leistung wollen gesehen sein. Rinko, die diesen Film alleine trägt, erhält glatte
10/10