Klassische Ermittler wie Sherlock Holmes, Professor van Dusen oder Hercule Poirot lösen ihre Fälle nicht selten mit einer gehörigen Portion Arroganz und Selbstüberschätzung. Diese Eigenschaften konnte man bei Detektiv Benoit Blanc bislang nicht ausmachen und auch im drittel Teil der Reihe „Knives Out“ übt er sich eher in Zurückhaltung.
Chimney Rock ist eine kleine Kirchengemeinde, in welcher der junge Priester Jud (Josh O'Connor) den ominösen Methoden des hiesigen Monsignore Wicks (Josh Brolin) entgegen wirken soll. Doch als dieser am Rande seiner Predigt ermordet wird, muss der erfahrene Detektiv Blanc (Daniel Craig) ran, um Licht ins sakrale Dunkel zu bringen…
Es handelt sich um einen klassisch gestrickten Krimi, der ganz auf den Pfaden von Agatha Christie wandelt und diese zwischenzeitlich auch erwähnt. Eine Handvoll Verdächtiger, ein Ermittler mit Unterstützung (Mila Kunis) und jede Menge mögliche Motive, Hintergründe und Geheimnisse. Alles läuft auf das Whodunit hinaus, darauf, den Täter nebst Beweggrund zu entlarven und ihn oder sie damit final zu konfrontieren.
Dabei wird das Milieu der Geistlichen recht salopp eingeführt, wenn unter den Gottesfürchtigen auch mal geflucht oder gar mit der Faust ausgeteilt wird. Leider gehen derartige Auflockerungen nach dem ersten Drittel weitgehend verloren. Gleichermaßen ist im Kontext der potenziellen Verdächtigen ein gesellschaftskritischer Faden auszumachen, der sich primär auf politische Entwicklungen in den USA bezieht. Ein angehender Politiker will es etwa allen Randgruppen Recht machen, um den radikalen Kern zu kaschieren, während es einige Geistliche in mehreren Belangen auch nicht so genau nehmen.
Der Auftritt des Ermittlers lässt derweil eine ganze Zeit auf sich warten, denn dieser tritt erst nach rund 40 Minuten in Erscheinung, - folgerichtig auch an dem Ort, an welchem sich der Fall final aufklären wird, was der Chose einen latenten Kammerspielcharakter verleit.
Während einiger Befragungen gibt es kleinere Flashbacks, sachliche Hinweise und eher selten augenscheinliche Finten, wonach das Miträtseln hin und wieder ins Stocken gerät, da kein klares Motiv erkennbar wird. Auch der Tathergang birgt Fragen, wenn das Opfer in einer Art abgeschlossenen Raum erstochen wird, obgleich weit und breit kein Täter in der Nähe schien.
Eine Weile geht das Konzept auf, zumal viele renommierte Gesichter wie Glen Close, Jeremy Renner oder Kerry Washington den entsprechenden Figuren einige Facetten angedeihen lassen. Nach kleineren Enthüllungen und Fortschritten beim möglichen Tatablauf entstehen leider auch kleinere Längen, - innerhalb der zu ausladenden Laufzeit von 144 Minuten und ausbleibender Action wenig verwunderlich.
Den finalen Enthüllungen schwingen zwar kleinere Wendungen mit, doch der ganz groß angelegte Schlag bleibt aus, auch entsprechende Rekonstruktionen werden vergleichsweise oberflächlich abgehandelt. Dennoch liefert Autor und Regisseur Rian Johnson ein über weite passabel gestricktes Whodunit, bei dem Genrefreunde ansprechend aufgebauten Stoff zum Miträtseln erhalten.
6 von 10