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Als ausgemachter Gentleman geht Ron Perlman auf den ersten Blick wahrlich nicht durch, obgleich sein Äußeres schon immer markant war und er mit zunehmendem Alter Charisma versprüht. Deshalb ist es auch genau er, der den spanischen Krimi ein wenig von der gewohnten TV-Konfektionsware abheben lässt.

Spanien, San Sebastian: Der ehemalige Soldat Theo (Perlman) lebt hier eher zurückgezogen und blüht nur an Donnerstagen auf, wenn er die Prostituierte Olga für Gespräche bezahlt. Als diese jedoch ermordet wird, beginnt er einen Rachefeldzug und gerät damit ins Visier eines Auftragskillers und der Polizei…

Es gibt im Verlauf einige Momente, die recht gekonnt Erkenntnisse zunehmenden Alters auf den Punkt bringen. Etwa gleich zum Einstieg, als Theo in den Spiegel schaut und sinngemäß kaum versteht, wie die letzten Jahre ihn veränderten. Aber auch die Tatsache, dass Extremsituationen kaum mehr schockierend wirken, wenn man vergleichsweise viel erlebt hat.
Anbei schimmert ein wenig Gesellschaftskritik durch, da vermeintliche Randgruppen wie Prostituierte, Migranten oder Senioren bei der Aufklärungsarbeit der Polizei eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Die Geschichte steigt als Drama ein und konzentriert sich neben Theo auf zwei weitere Schachfiguren, die allerdings deutlich weniger Interesse schüren als der Antiheld. Eine Polizistin mit Alkoholproblem und Beziehungskrach wird zu vage durchleuchtet, während Szenen des Auftragskillers im Kontext mit seiner Partnerin rein gar nichts zur Handlung beitragen und regelmäßig Fahrt herausnehmen. Da hätte man lieber Theo mit seinem gleichaltrigen Kumpel beigewohnt, da es auch in deren Zusammenspiel einige starke Momente gibt.

Während Theo bei der Ausführung seiner Rache zu teils skurrilen Maßnahmen greift, welche nicht immer von Erfolg gekrönt sind, entsteht immer mal wieder ein Hauch von Humor, der selbst bei den Morden ein wenig mitschwingt. Obgleich das Zulangen mit diversen Messern mit ordentlichem Blutvergießen einhergeht, lässt die Kraft spätestens ab Mitte 70 merklich nach, wonach es eventuell ein paar Stiche mehr benötigt. Etwas abstrus ist allerdings, wie er den jeweiligen Opfern auflauert, obgleich diese fast pausenlos von Bodyguards begleitet werden.

Schade, dass die Ermittler zunehmend unglaubwürdig handeln und manche Aktionen gegen Ende arg konstruiert daherkommen. Zwar gerät das Finale einigermaßen spannend und der versöhnlich stimmende Ausklang böte gar eine Vorlage für eine Fortsetzung, doch ein wenig mehr Action hätte es, auch bezüglich des kompletten Streifens gerne geben können.

Dennoch rettet Perlman mit seiner Präsenz einiges, wobei auch die übrigen Mimen durchweg solide abliefern. Jene Szenen mit Tiefgang stechen positiv hervor, wogegen andere nahezu uninteressant wirken, während die Geschichte mit minimalen Twists, jedoch keiner unerwarteten Enthüllung vorgetragen wird. Ein passabler Krimi, der zuweilen ungünstig gewichtete Schwerpunkte setzt und deshalb nur bedingt Kurzweil liefert.
6 von 10 

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