Review

"Candyman`s Fluch" basiert auf der Kurzgeschichte "Das Verbotene" aus dem fünften Buch des Blutes von Clive Barker.
Was Bernard Rose als Drehbuchautor und Regisseur aus der größtenteils suggestiven und ziemlich kurzen Story geschaffen hat, kann man nur als durchweg gelungen bezeichnen.

Die Studentinnen Helen Lyle und Bernadette Walsh arbeiten in Chicago an ihrer Dissertation über urbane Legendenbildung. Durch einige ihrer Interviewpartner erfahren sie von der Legende des Candyman, der erscheint, wenn man sich vor den Spiegel stellt und seinen Namen fünfmal hintereinander hineinspricht. Natürlich tun sie die Geschichte ebenso wie all die anderen als Märchen ab, bis ein Historiker, der sich mit der realen Geschichte des Candyman befasst hat, sie auf die Spur des Ursprungs der Legende bringt und sie entscheiden, ihre Arbeit an dem Projekt zu vertiefen. Tief im sozialen Brennpunkt der Stadt, dem Ghetto Cabrini Green, begeben sich die beiden Frauen auf Spurensuche und Helens Ehrgeiz übersteigt dabei bei weitem ihre Rationalität. So gerät sie in die Quere eines Mörders, der ihre Konfrontation mit dem Gefängnis bezahlen darf. Doch Helen ist auf noch etwas gestoßen, nämlich die Gestalt des "wahren" Candyman, der stets mit Angst und Schrecken seine Anhänger im Viertel bedroht hat und dem nun die Entmystifizierung droht. Um dies zu verhindern, sucht er Helen heim und zeigt ihr, dass die Realität manchmal viel erschreckender sein kann als die Legende...

Ab hier beginnt ein unglaublich konsequenter, drastischer und romantischer Albtraum, der jedem Zuschauer den Boden unter den Füßen entreißt und einen sehr unkonventionellen Weg einschlägt, um Horror zu erzeugen. Denn obwohl der Film zu Recht keine Jugendfreigabe hat, findet der reale Terror im Geiste statt und die Protagonistin Helen wird zu einer der leidtragendsten Figuren der Horrorgeschichte bis hin zur Erlösung aus der Gefahr. Wer aber denkt, dass sich einiges an Vorhersehbarkeit in "Candyman`s Fluch" eingeschlichen hat, der wird hier eines besseren belehrt.
Der Film bietet eine schöne Ausschmückung der Barker`schen Kurzgeschichte und bleibt stets beängstigend.
Die vielen Weitwinkelaufnahmen aus der Luft und subjektiven Porträts der Darsteller vermitteln dem Film eine Art Dokumentarstil, was ihn umso realistischer wirken lässt. Der minimalistische Score von Philip Glass tut sein übriges, um das Geschehen wirksam zu unterstreichen.
Große Namen bietet die Besetzungsliste nicht aber alleine die Präsenz von Tony Todd als Candyman ist eine Meisterleistung. Mit wenigen Worten schafft er es, den Film stellenweise als männlicher Hauptdarsteller zu dominieren obwohl Xander Berkeley, der Helens Mann Trevor mimt, deutlich häufiger auftaucht.
Virginia Madsen bietet eine hervorragende Performance und gerade die Tatsache, dass sie kein schauspielerndes Model sondern eine sympathisch normal wirkende Frau ist, macht ihre Darstellung glaubhaft und erweckt große Anteilnahme an ihrem Schicksal.
Bernard Rose hält geschickt die Balance zwischen zuviel und zuwenig Schauwerten des Horrorgehalts (ein paar Goreeinlagen gibt es dennoch) und erzeugt eine sehr dichte Atmosphäre. Man sollte ihn des öfteren an eine Geschichte von Clive Barker heranlassen!

Als Fazit ist zu sagen, dass "Candyman`s Fluch" glatt als "The Haunting" der 90er durchgehen könnte, denn hier wird mit allerlei subtilen Mitteln beklemmender Horror erzeugt, der weit über das sonst gewohnte Maß der waffenschwingenden Psychopathen hinausgeht und schlichtweg als genial zu bezeichnen ist.
Zur Höchstwertung reicht es nicht ganz aber für mich definitiv der beste Horrorfilm bis ins neue Jahrtausend!

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