Review

Und noch ein Horrorfilm der Marke „Ungewöhnlich aber gut“. Tony Todd, der ansonsten leider meistens nur in Nebenrollen auftritt, verkörpert hier die Figur des Candyman, einem Schwarzen, der Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund einer Liaison mit einer weißen Frau gelyncht und umgebracht wird. Heutzutage erwähnt man seinen Namen nur in Gruselgeschichten, und es heißt, dass wenn man seinen Namen fünfmal in einen Spiegel spricht, er zurückkommen würde, um erneut seinen Fleischerhaken zu schwingen. Klingt alles schon wieder nach einem handelüblichen 08/15-Slasher, entpuppt sich jedoch als ein vom Verlauf her sehr ungewöhnlicher und dafür umso differenzierter erzählter Schauderstreifen, den jeder mal gesehen haben sollte! Hauptcharakter des Films ist die Universitätsdozentin Helen (Virginia Madsen, noch aus „God´s Army“ in Erinnerung), die zusammen mit einer Freundin die Legende des Candyman im Zusammenhang mit einer aktuellen Mordserie aufschnappt und im Schwarzenghetto der Stadt der Sache nachgeht. In einem düsteren Sozialbau, in dem einer der Morde stattfand, entdeckt sie eine Wohnung, in der es nicht nur nach Süßigkeiten riecht und die Parallelen zur Legende des Toten kein Zufall sein können...

Will nicht zuviel dazu verraten, Fakt ist, dass man dem Film auf jeden Fall ein wenig Zeit geben muss. Die erste Stunde vergeht relativ ereignislos und nimmt sich viel heraus, um die Hauptfigur in den Bann des Bösen zu ziehen. Doch spätestens, nachdem die ungewöhnliche Figur des Zuckermannes auf den Plan getreten ist, geht der Film mitunter richtig ab und bis zum Ende gibt es keine Aussicht mehr auf ein Ende der Verstrickungen. Der Gore ist nicht skandalös, aber auch nicht von der Hand zu weisen, wenn der surreal anmutende, unscheinbare Bösewicht seinen Haken schwingt, doch im Vordergrund steht eigentlich die gelungene Verknüpfung einer düsteren Erzähllegende und modernen, sozialen Abgründen, in der auch Kritik an Rassenungleichheit geübt wird, wenn auch nur dezent. Ebenfalls lobend zu erwähnen ist der düstere Soundtrack aus verzerrten Chören, der melodisch durchaus in Erinnerung bleibt. Hinzu gesellen sich unbequeme Symboliken und düstere, schmutzige Schauplätze, die das Horrorvergnügen noch abrunden.

Insgesamt für jeden Horrorfanatiker ein Muss, für alle anderen durch die Bank weg unterhaltsam und shockig. Macht sich in jeder Sammlung bezahlt und wirkt auch heute keineswegs antiqiuert. Lediglich den Verantwortlichen für Kostüme hätte ich hochkant rausgeschmissen.

Details
Ähnliche Filme