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Grossstadt-Schauer-Legende mit Tiefgang

Candyman, Candyman, Candyman, Candyman... nein, ich tu's nicht. Vielleicht gilt ein Bildschirm ja auch als Spiegel, vielleicht zählt schreiben genauso wie sprechen. "Candyman" ist einer der ikonischen Horrorfilme der frühen 90er, einer der wenigen modernen Horrorklassiker, der noch nicht mit einem lauwarmen Reboot, Remake oder sonstwas verschandelt wurde. Gut so, kann so bleiben. Braucht kein Mensch. Ähnlich wie die Seuquels. Selbst wenn die Reihe vollkommen 90er ist, muss man nicht alles neumachen. Das Original "Candyman" ist gut genug. Nicht mehr frisch, aber noch verdammt cool. Poetisch, sanft, gruselig. Fast mehr Mystery als Horror. Typisch 90er, sag ich ja... aner auf dem besten Weg zum zeitlosen Meilenstein.

Allein durch "Candyman" wurde Tony Todd zur Legende. Vielleicht nicht auf einem Level mit Jason oder Freddy, dafür mit einer eingefleischten Fangemeinschaft, die ihn nie vergessen wird und für die "Candyman" einer der besten Horrorfilme seines Jahrzents ist. Da kann ich nur zustimmen - der interessante & vielschichtige Pseudoschocker ist defintiv eine der besseren Barker-Verfilmungen, obwohl er starke eigene Wege geht. Er ist anders, mystischer, cleverer, bedachter als andere Slasher. Er ist kaum ein Slasher in seinen tiefsten Momenten. Viel tiefgründiger als die legendäre, catchy Prämisse des Candyman-Ausrufes in die Spiegel unserer Heime. Mit wenig zu vergleichen, kam er zudem noch in einer Zeit, wo es um das Horrorgenre nicht gut und sehr dürr gestellt war. Kein Crowdpleaser, sondern ästethischer Grusel, der Denkanstöße und wundervolle Bilder bietet. Vom eingängigen Soundtrack und dem wohl besten antiklamktischen Finale ganz zu schweigen. Selten war ein "Monster" so tragisch, hilferufend und allgegenwärtig, auch bei uns in der echten Welt. Ein Monster namens Hilflosgkeit, Unfairness und Unmenschlichkeit. Oder besser gesagt geboren daraus.

Es geht um die blonde Doktorandin Helen, die auf eine urbane Legende stößt: sage fünfmal vor einem Spiegel das Wort Candyman, und der hühnenhafte, irgendwie seltsam sanfte, dunkelhäutige Candyman erscheint und rächt sich für ein Unheil, dass ihm einst zu Teil wurde... "Candyman" hat ein hypnotische, sonderbare und faszinierende Stimmung. Etwas schwebend, sympathisch mändernd. Leicht hätte, wie in seinen Fortsetzungen geschehen, ein billiger Fantasy-Slasher daraus werden können. Doch es ist eher ein Traumwandler zwischen Sozialdrama und Schauermärchen. Szenen wie die Bienen im Mund des Candymans, das überraschend emotionale Finale oder die tiefschürfende Originstory des Süßigkeiten-Mannes, vergisst man nicht leicht. Will man als Horrorfan mit Anspruch und Hang zum Abseitigen auch nicht. "Candyman" ist jede Wiederentdeckung wert und gehört in jede gut sortierte Horrorsammlung.

Fazit: dreh dich nicht herum, denn der Bienenmann mit Hakenhand geht herum... "Candyman" ist eine Horrorikone aus zweiter Reihe, die mir noch immer einen Schauer auf den Rücken und ein wohliges Grinsen aufs Gesicht zaubert!

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