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Clive Barkers Geschichten sind eine Klasse für sich - fast jede einzelne. Die Verfilmungen hingegen...sind nur bedingt gut. Seine Geschichte "The Forbidden", verfilmt als "Candyman" zählt aber zu den gelungerenen Verfilmungen.

Ich hatte "Candyman" nicht so gut in Erinnerung, wie ich ihn heute sah. Man könnte fast meinen Barker selbst hätte seine Geschichte verfilmt - doch dem ist nicht so. Trotzdem wirklich ein starkes Stück Celluloid, was sicher auch an der geistigen Vorlage lag: spannend, verworren und toll erzählt ist "Candyman".

Die Rolle des "Candyman" ist hervorragend besetzt durch den Hünen Tony Todd, dem mit diesem Film der endgültige Durchbruch (speziell im Horrorfilmsektor) gelang. Er schafft es den Charakter des Candyman ausdrucksstark zu spielen. Der Zuschauer weiß bei ihm nicht welche Emotion überwiegt - Abscheu oder Mitleid.

Anfangs lässt der Film einem im unklaren, was es genau mit der "Urban Legend" des Candyman auf sich hat; existiert er "wirklich" oder ist Helen einfach nur wahnsinnig? Dies lässt der Film relativ offen und auch das Ende scheint verwirrend. Was bei anderen Filmen stört, passt hier. Nicht umsonst sind Barkers literarische Vorlagen Horror für "Feingeister". Demnach ist auch die Handlung alles andere als banal und hebt sich wohltuend vom üblichen Einheitsbrei ab. Auch wenn in der zweiten Hälfte die Mordrate dezent steigt; Tempo und Spannung bewegen sich den ganzen Film über auf hohem Niveau. Langweilig oder gar uninteressant wird es nie.

Auch Virginia Madsen als zweifelnde, aber interessierte Helen kann durchaus überzeugen. Sie spielt ihren Part ebenfalls sehr überzeugend und hat als annehmbare Partnerin die junge Vanessa Williams an ihrer Seite. Auch der Rest der Darsteller sind gut; wenn auch Nebenfiguren. Aber das wirklich Interessante dreht sich ohnehin um Helen und um den Candyman.

Dessen Morde sind hart, aber nicht explizit. So spielt sich vieles im Kopf ab und insbesondere die "Entstehung" des Candyman ist tragisch wie bedrückend zugleich. Da die Anzahl der Morde wirklich sehr gering sind, kann man sich teilweise mit den Opfern identifizieren, da so gut wie keiner "umsonst" stirbt und diese Morde "Sinn" machen. Insbesondere das Ende ist in dieser Beziehung klasse.

Die musikalische Untermalung ist perfekt. Mystische "Jahrmarktsmusik" (am ehesten erinnernd an ein Spiegelkabinett) wechselt sich mit einem düsteren Score ab und insbesondere in den "Spiegelszenen" durchflösst einem ein wohliger Schauer...aber auch sonst stimmt das Ambiente. Die Wohnung des Candyman mitten im "Ghetto" wurde hervorragend "versifft". Die Dekorateure haben sich hier wirklich ausgetobt und eine trostlose, aber dennoch bunte Kulisse geschaffen.

Ein wenig gesellschaftliche Kritik gibt es auch - warum kümmert sich die Polizei erst um einen Mord, nachdem eine "Weisse" involviert wird? Warum mussten unschuldige "Schwarze" sterben, weil kein Polizist des Nächtens ins "Ghetto" wollte? Warum Ablehnung gegen "Schwarze"? Diese Message kommt jedenfalls direkt (durch Aussagen von Darstellern), als auch indirekt (Hintergrund des Todes des Candymans) rüber. Insofern schon ein Film mit ernsterem Hintergrund.

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