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Der immer etwas im Schatten seines mächtigen großen Bruders Sergio stehende italienische Regisseur und Drehbuchautor Bruno Corbucci („Isabella - Mit blanker Brust und spitzem Degen“) drehte 1968 mit „Im Staub der Sonne“ einen seiner wenigen Western.

Pistolero Stark (Brian Kelly, „Flippers neue Abenteuer“ (!)) kann sich durch eine Finte aus dem Knast befreien und tötet einige Männer des reichen Mexikaners Quintaras (Folco Lulli, „Orientexpress“). Dieser lässt ihn unter der Bedingung am Leben, dass er dessen abtrünnigen Sohn Fidel (Fabrizio Moroni, „Vier Fliegen auf grauem Samt“), der nichts mehr mit seinem Vater zu tun haben will, zu ihm zurückbringt und wedelt außerdem mit einer Belohnung finanzieller Art. Fidel hat Unterschlupf bei einer Bande verbrecherischer Kriegsveteranen unter der Führung „Major“ Charlie Doneghans (Keenan Wynn, „Zotti, das Urviech“) gefunden, die ihn ebenso wenig kampflos herausrückt wie Fidel bereit ist, sich in sein Schicksal zu fügen...

Mit seiner Geschichte von zwei Männern, Jäger und Gejagtem, die bald eine Hassliebe füreinander entwickeln, sich gegenseitig zu respektieren lernen und letztlich sogar gegenseitig aus der Patsche helfen, erinnert „Im Staub der Sonne“ an die zwei Jahre zuvor erschienenen Meisterwerke „Der Gehetzte der Sierra Madre“ und „The Good, the Bad and the Ugly“, ohne jedoch deren Qualitäten zu erreichen. Da wären die beiden Hauptdarsteller, die durch ihr Schauspiel zwar nicht negativ auffallen, aber für einen Italo-Western dieser Sorte zu geleckt, zu schön aussehen – ob nun mit Dreitagebart oder ohne. Zudem nervt der Film nach seinem Auftakt ca. eine Viertelstunde lang mit nur bedingt lustigen komödiantischen Einlagen, um dann jedoch glücklicherweise die Kurve zu kriegen und nicht nur fortan wohldosierte Gags eher subtil und tatsächlich zum Schmunzeln anregend zu integrieren, sondern vor allem seine Handlung in sehr angenehmem Tempo zu erzählen und das Katz- und Maus-Spiel durch viele Nebenkriegsschauplätze hindurch ansprechend und unterhaltsam zu gestalten.

Als Genrefreund fühlt man sich sodann schnell wohl in einem von typischen Anti-Helden beherrschten und getragenen Plot, der immer wieder mit bemerkenswerten Details überrascht und eine liebevolle Handschrift erkennen lässt, die offensichtlich nicht einfach den x-ten Genrebeitrag dahinschludern wollte. Trotz vieler Toter wird auf verstörende, visuell ausgeschlachtete Gewaltexzesse verzichtet. Die vom schönen deutschen Titel suggerierte unbarmherzige, staubig-schwüle Atmosphäre stellt sich im Mittelteil auch endlich bei einem Marsch Starks und Fidels durch die Wüste ein, der von Durchhaltevermögen, Überlebenskampf und Solidarisierung gekennzeichnet ist. Ein sehr angenehmer Easy-Listening-Westernsoundtrack verwöhnt die Ohren und hilft der Entfaltung der gewünschten Stimmung auf die Sprünge, wenn die Regie an ihre Grenzen gerät.

Diese Stimmung aufrechtzuerhalten, fällt hingegen schwer, wenn das den Süden der USA an der Grenze zu Mexico darstellen sollende Ambiente bisweilen keinen einzigen Kaktus zu bieten hat und viel mehr nach europäischen Laubbäumen aussieht. Noch schwerer wiegt allerdings die Unfähigkeit Corbuccis, spannende Momente auszukosten, mit Dramatik, Tragik und Pathos zu arbeiten, statt uninspiriert einzelne Szenen im Eiltempo aneinanderzureihen, wodurch sein Film wirkt, als wäre ein Drittel dem Schnitt zum Opfer gefallen. Gut tat man hingegen daran, bis zum Finale offen zu lassen, was genau der Grund für das Familienzerwürfnis ist und sich dadurch die Neugier des Zuschauers über die volle Distanz zu sichern. Das klärt sich dann in einem packenden Finale, das allerdings die Chance zu einem ordentlich pessimistischen Ende vergeigt.

Fazit: Unterhaltsamer, sympathischer Italo-Western mit internationalem B-Cast und einigen deutlichen Schwächen, der mir persönlich etwas zu distanziert erscheint und nicht dreckig genug daherkommt.

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