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Aatami ist durch. Nach einer ausdauernden Folter mit einer Elektropeitsche (!) kämpft er sich durch ein Zugabteil russischer Soldaten, fällt mit dem offenen, aus unzähligen Wunden blutenden Rücken in eine zerbrochene Glasflasche – und greift mit der Hand auch noch in eine Mausefalle. 

Man merkt SISU: ROAD TO REVENGE in solchen, zum Glück seltenen Szenen ein wenig den Willen an, nach dem Überraschungserfolg des ersten Teils noch eine Schippe draufzulegen. So kippt das Sequel manchmal bewusst ins cartoonhafte. Nicht, dass der erste Film sonderlich realistisch gewesen wäre. Doch hier gibt es wirklich mehrere Szenen, bei denen man laut und ungläubig auflachen muss ob der Absurdität mancher Aktionen. 

SISU war vor drei Jahren im wahrsten Sinne des Wortes eine Granate von Film, ein straighter Actioner mit einem seniorigen Helden, der nicht viele Worte machte (um genau zu sein, keine) und sich durch eine Armee von Nazis schnetzelte und ballerte, um sein wohlverdientes Gold zur Bank zu bringen. 

Dieses Mal sind es nicht die bösen Deutschen, sondern – ganz zeitgemäß – die bösen Russen, die sich mit dem Kriegsveteranen Aatami Korpi anlegen. Es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass der erste Russe, der seinen Pass verlangt, eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Putin aufweist. 

Dabei beginnt der Film zunächst überraschend rührselig: Aatami fährt ins russische Grenzgebiet, das vor dem Krieg noch zu Finnland gehörte, um dort sein altes Zuhause zu besuchen. Und um es Balken für Balken abzutragen und auf seinem LKW mitzunehmen. 

Kam der erste Teil noch nahezu ohne Backstory aus, erfahren wir nun in den ersten zehn Minuten geballte Exposition: Aatamis Familie wurde von der Roten Armee brutal abgeschlachtet, was ihn zum Berserker werden ließ, der Hunderte russische Söldner auf dem Gewissen hat. Der verantwortliche Offizier wird nun dazu abkommandiert, die Sache zuende zu bringen und den gerade Eingereisten ins Jenseits zu befördern. Stephen Lang spielt diesen Igor Draganov als ebenbürtigen, aber zurückhaltenden Gegenspieler, der lieber seine Vasallen voranschickt, um sich die Hände, nun ja, blutig zu machen, erst im unvermeidlichen Showdown muss er dann doch selbst Hand anlegen. 

120 Kilometer trennen Korpi von der heimischen Grenze und Draganov setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn unterwegs zur Strecke zu bringen. Dabei variiert Regisseur und Autor Jalmari Helander mit seinem alten Recken Jorma Tommila die Mischung aus Einfallsreichtum und Brutalität des ersten Teils, wobei dieses Mal weniger Clint Eastwood und John Rambo sondern vielmehr Indiana Jones, Mad Max und Tex Avery grüßen lassen. Blutig wird die Angelegenheit natürlich trotzdem, das FSK 18 Rating, das heutzutage ja kaum noch ein Kinofilm erhält, ist absolut gerechtfertigt und wenn unser Held am Ende eigentlich nur noch ein Haufen blutiger Matsch auf zwei Beinen sein dürfte, legt er nochmal so richtig los. 

Fazit: Ein bisschen „too matsch“ von allem, aber für manche sicherlich genau richtig, das Ding rockt, macht Spaß und zeigt Hollywood, wo die Spitzhacke hängt.

7.5/10

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