Dieser Finne hat dich an der Kimme!
"Sisu" war vor drei Jahren eines der aufsehenerregenderen Actionbretter und rockt noch immer. Was haben ich und die Welt gestaunt, was da aus Finnland angesaust kam! Nun kommt unvermeidlich "Sisu 2" - größer, härter, aufwändiger, mit mehr Onelinern, nun mit ordentlich amerikanischer Produktionsunterstützung, mehr Budget und noch fetteren Actionschauplätzen. Noch geradliniger und explosiver. Nun killt sich die stoisch-finnische Kampfmaschine, nach dem zweiten Weltkrieg und nachdem er quasi im Alleingang alle Nazis in seinem Land plattgemacht hat, durch die fiese russische Besatzung seines Landes - und hat noch eine ganz persönliche Rechnung zu begleichen...
Heute gibt's Schlachtplatte Stroganoff
Ein bisschen das ursprüngliche und urinstinktive Gegenstück zu "John Wick", nur europäischer, haariger, kriegsfilmischer und pulpiger, macht "Sisu 2" eine Menge richtig und tritt nur in wenige übliche Sequelfallstricke. Genauso "Mad Max" wie modernes Bahnhofskino, genauso Helsinkis Rächer wie überlebensgrößer Todesmythos. Spätestens jetzt kein begrenztes Phänomen mehr. Wie gesagt, da haben auch die Amis nicht schlecht gestaunt und Notizen gemacht, Portemonnaies geöffnet und investiert. Ruppig und doch comichaft. Sprachlos und doch klar wie finnische Kloßbrühe. Stephen Lang ist ein klasse Bösewicht. Das wussten wir vorher schon alle, dass er das kann, aber hier scheint er noch viel mehr in seinem kleineren und fieseren Element zu sein als in größeren Blockbustern. Die Schauwerte hauen dicker rein als zuvor. Die Splatterschraube wurde vernünftig nach oben gedreht. Und zwar mit einer rostig-blutverschmierten Kneifzange. Audiovisuell macht das zwei Schritte nach oben. Einige Stunts sind wahre Augenöffner und erfordern Zwischenapplaus. Selbst wenn da nicht jeder CGI-Effekt mithalten kann. Doch es macht insgesamt einfach wieder höllisch Spaß Sisu bei seiner unfreiwilligen und auch mal augenzwinkernden "Arbeit" zuzusehen. Es verkommt nicht zur Nummernrevue, vieles ist eine logische Weiterentwicklung, die Antagonisten sind wie gesagt eine echte Hausnummer und trotz einiger "WTF?!"-Momente übertreibt man es nicht, um hier womöglich rein gar nichts mehr ernst zu nehmen. Nein, zum Glück nicht. Obwohl manche Szenen schon arg drüber sind. Aber bei mir hat es noch den korrekten Ton getroffen zwischen bescheuert, witzig und hart. Vielleicht fehlt etwas der Überraschungseffekt des ersten Teils. Wahrscheinlich hat mir der Trailer (der z.B. auf dem FFF zu Tode genudelt wurde) schon zu viel gezeigt, vor allem an kreativen Goreausschlägen. Eine glorreiche Gewaltspirale ist's trotzdem. Ein rachsüchtiger Roadtrip der Russenklasse. Sisu'hlt sich im Dreck. Einen tiptop Kinoabend bei Bier, Banalitäten und breitem Grinsen hatte ich auf jeden Fall!
Es hat sich (für mich) noch nicht ausge'sisu't
Fazit: "Sisu 2" findet einen spaßigen Weg aus Übertreibung, Franchisefortschritt und Altbewährtem - genau das, was ich nach dem ersten "Sisu" sehen und spüren wollte! Oldschool mit neuen Mitteln. Hart und herzlich. Heftiger Humbug. Ich habe jede Minute genossen. Pure Actionkost. Ungefiltertes Testosteronkino. Saftige Splittergranate. Nach dem Original ist das vielleicht "Dienst nach Gewaltvorschrift" - aber auf richtig hohem und befriedigendem Niveau! Komplett ohne Verschnaufpausen oder gar Längen. In seinen besten Momenten in der Nähe der "Fury Road"!