Wenn du dein Idol triffst… mit dem Baseballschläger!
„Sweetness“ wandelt ungeniert auf den Spuren von „Misery“ (ohne zu einem reinen Abklatsch zu degenerieren) und erzählt von einem weiblichen Superfan eines Popsängers, die zufälligerweise genau von ihrem Rockstaridol nach einem Konzert angefahren wird… und der dann wiederum über Umwege angekettet in ihrem Kinderzimmerbett landet. Irgendjemand muss ihm ja die Drogen und Flausen aus dem Kopf „pflegen“… Oder? Oder?! ODER?!?
Genauso dumm wie süß
Wenn man ein gutes Stück ausblendet, dass „Sweetness“ (wie vieles Andere im aktuellen Genrezirkus auch) sehr deutlich alte Muster recht dreist und platt in die Gen Z hievt, dann geht der schwarzhumorige Kidnapthriller schon in Ordnung. Die kleine, fiese Hauptdarstellerin ist ein Highlight und schön hassenswert - immer ein top Zeichen für eine gute Antagonistin, die hier zeitgleich auch Protagonistin ist. Es gibt bissige und blutige Spitzen. Ein paar beabsichtigt blöde Plattitüdensongs. Und den immer gerne gesehenen Steven Ogg in einer Nebenrolle, der leider viel zu wenig zu tun bekommt. Ansonsten fällt „Sweetness“ im Finnish etwas in sich zusammen, man muss bei einigen dummen Entscheidungen, Dialogen, Zufällen insgesamt eineinhalb Augen zudrücken und nicht zu sehr auf Logik und Realität drängen. Und sich selbstredend nicht zu oft an andere Thriller mit diesem Konzept erinnern. Oder diese im besten Fall gar nicht erst kennen. Und somit wird „Sweetness“ bei seiner jungen Kernzielgruppe sicher gut funktionieren. Ohne zu sehr gewolltes Kultpotenzial. Denn wirklich etwas zu sagen zur manchmal giftigen bis (für beide Seiten!) gefährlichen Wechselwirkung zwischen Fan und Star hat er nur sehr, sehr wenig.
Misery rocks Company
Fazit: ganz netter „Fan-nimmt-Rockstar-Geisel-Thriller“ mit viel schwarzem Humor, einer wunderbar hassenswerten jungen Dame und ein paar gemeinen Spitzen. In seinen besten Momenten hatte ich „The Loved Ones“-Vibes. Insgesamt aber (gerade für alte Hasen und Vielgucker!) dann doch weder böse noch cool genug, weder so radikal noch so giftig wie er meint zu sein. Desiree Nosbusch lacht darüber nur müde. Und das Ende biegt's sich echt ärgerlich dumm hin… Da war (noch) mehr drin!