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Obgleich der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky 2000 mit „Anatomie“ internationale Popularität erlangte und kleinere Achtungserfolge nach sich zog, blieb der große Klassenschlager bislang aus. Und inzwischen muss man sich selbst in Hollywoods B-Film-Bereichen mit Bulgarien arrangieren, um Action in eisigen Gefilden zu realisieren.

Montana: Seit einiger Zeit lebt Veteran Harlan wie ein Einsiedler, nachdem er Frau und Kind verlor. Beim Eisangeln entdeckt er zufällig eine Leiche, kurz darauf einen Koffer voller Geld. Nachdem Wildhüterin Ani darauf aufmerksam wird, befinden sich auch die ursprünglichen Räuber vor Ort, um ihre Beute um jeden Preis an sich zu reißen…

Ein passender Winterfilm, der sich zu 95% unter freiem Himmel abspielt. Mal abgesehen vom Raubzug zum Einstieg, als die fünf Ganoven um Drake nicht gerade zimperlich vorgehen, um an das Vermögen von 20 Millionen zu gelangen. Die Figurenzeichnungen reichen aus, um die wenigen relevanten Personen annehmbar einzuführen, was primär für das Mitfiebern auf dem Eis hilfreich ist.

Denn dort spielt sich ein Großteil der ersten Hälfte ab und untermauert das sichere Händchen des Regisseurs. Das Setting vermittelt in seiner Einöde eine frostige Kneifzange, während sensible Eisschichten auch mal bröckeln können und nicht jede Rutschpartie mit einem Vehikel zulassen. Die Kamera arbeitet angenehm schnörkellos, das Timing während einer Hatz stimmt, allerdings stechen Kleinigkeiten wie ausbleibender, kondensierender Atem hervor und auch die Tatsache, dass manche im Eiswasser länger überleben als andere.

Interessant ist immerhin, dass es selbst unter den bösen Wichten eine Art Zusammenhalt in prekären Situationen gibt und einer von ihnen überdies längst im Zwiespalt mit den Kumpels und dem Weg zu Gott steht. Aber auch unter den Indigenen vor Ort ist nicht alles eitel Sonnenschein, da sich manche durch die Wildhüterin verraten fühlen, wogegen andere in Harlan den Verräter sehen, welcher jedoch selbst um seine indigene Frau trauert. Diesbezüglich versucht der Stoff eine Ambivalenz einzubetten, welche zwar weitgehend oberflächlich bleibt, die gegen Ende jedoch eine Art Versöhnung anbietet.

Leider mangelt es bis dahin an einschneidenden Überraschungen oder gar unerwarteten Wendungen. Es bleibt bei der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse und kurz vorm Showdown wird zugunsten einiger emotionaler Zugeständnisse noch kurzfristig das Tempo herausgenommen, um gegen Finale leider nicht mehr als Routine abzuliefern.
Dies gilt gleichermaßen für nahezu sämtliche Mimen wie Danny Huston als Oberbösewicht, Graham Greene in seiner letzten Rolle oder Joel Kinnaman als Einsiedler Harlan, welche nie mehr performen als gerade notwendig.

Während die Action phasenweise ein passables Tempo vorlegt und durchaus spannende Passagen liefert, fallen die dazugehörigen Effekte mit einigen CGI nicht immer überzeugend aus und obgleich Fangeisen grundlegend für blutige Einlagen zu gebrauchen sind, bleiben anderweitig clevere Finten aus.
Es ist der allgemeine Einfallsreichtum, der aus der tauglichen Prämisse womöglich deutlich mehr hätte herauskitzeln können, als einen Durchschnittsthriller ohne sonderliche Twists.
Teilweise zündet die frostige Atmosphäre des Unterfangens, die überschaubare Handlung ist indes rasch vergessen.
5,5 von 10

 

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