Stirb aufrecht, Gringo! – La ley del Colt
Spanien/Italien 1965
Regie: Alfonso Brescia
Aus eins mach zwei!
Im Grenzstädtchen San Felipe läuft die Planung eines Anschlusses an das Eisenbahnnetz auf Hochtouren. Zu diesem Zweck werden Gold und Dollars zur dortigen Bank transportiert und eingelagert. Diese Transporte bleiben nicht unbemerkt und wecken die Begehrlichkeiten von allerlei Gesindel und Lumpenpack, die die Postkutschen des Öfteren überfallen. Dazu lassen sie sich immer auch etwas Neues einfallen, dass die Kutsche beispielsweise erst bei der Ankunft in der Stadt überfallen wird, dabei geht es wenig zimperlich zu und ein Dutzend Tote bleiben im Staub der Hauptstraße zurück. Allerdings lassen sich der Banker und Eisenbahnchef auch immer etwas Neues einfallen, um die Räuber zu überlisten. In diesem Fall erbeuteten die Banditen nur eine Kiste mit Steinen, während die Dollars, ohne sein Wissen, im Gepäck des eitlen Schnösels George Benson, (Ángel del Pozo), der mit der nächsten Kutsche eintrifft, verborgen waren. Dieser kommt nach San Felipe, um die erst vor kurzem kennen gelernte Louise O'Brien (Luciana Gilli) zu heiraten, die Nichte des reichen Ranchers Henry O’Brien (Franco Cobianchi D'Este). Zusammen mit ihm kommt auch Peter Webb (Miguel de la Riva) an, ein Cowboy, der nach Verbüßung einer Zuchthausstrafe ein neues Leben beginnen will. Im Saloon macht derweil Webb Bekanntschaft mit den netten Leuten von O’Brien und man kommt miteinander bei einer kleinen Schlägerei ins Gespräch und lernt sich erstmal kennen! Dabei erfährt Webb, dass O’Brien sein Auge auf eine längst aufgelassene Silbermine geworfen hat, deren Besitzer aber unter keinen Umständen an ihn verkaufen will. Wenn das keine Herausforderung für ihn ist! Er sucht die Silbermine auf und kann den Besitzer davon überzeugen, ihm diese für 10.000 Dollar zu verkaufen und gibt ihm den Rat, schnellstmöglich mit dem Geld zu verschwinden. Zurück in der Stadt, welche Überraschung, verkauft er aber die Mine sofort weiter an O’Brien, allerdings für 20.000, denn ein kleiner Gewinn muss sein. Dafür wird er von O’Brien ins Team aufgenommen und erfährt so einige Dinge, die man niemals von so einem angesehenen Bürger erwartet hätte! O’Brien steckt hinter den Überfällen und es werden weitere Überfälle durchgeführt, Aber plötzlich erscheint ein Mann mit Gesichtstuch und Umhang auf der Bildfläche und spuckt ihnen mächtig in die Suppe! Trotzdem wird der große Coup für den Tag der Verlobung von Louise und George geplant, da dann fast die ganze Stadt eingeladen ist und ein großes Feuerwerk für die nötige Ablenkung und Geräuschkulisse sorgt.
Wer ist der Mann mit Maske und was bezweckt er, zumal sich Louise doch etwas in ihn verguckt?
Kann Webb mit dem Weiterverkauf der Silbermine wirklich auch das Vertrauen von O’Brien gewinnen, zumal er gegenüber dem Sheriff selber offenbart, ein Bundesagent zu sein?
Welche Rolle spielt überhaupt die aufgelassene Silbermine, zumal dort nichts mehr zu holen ist?
Gelingt der große Coup und können sie ihren gestohlenen Reichtum in Mexiko genießen?
Gibt es eventuell im Hintergrund noch einen Mitwisser?
Die wichtigste Frage: Liebt George Louise wirklich?
Wir schreiben das Jahr 1965, der Wandel von rein amerikanischen Westernkopien hin zum eigentlichen Italowestern ist gerade im Gange. Das einige Stotterer im Drehbuch vorhanden sind, sind verzeihbar. Auch die Anlehnung an das Zorro Motiv mit dem Mann mit der Maske setzt Akzente, den Filme, mit maskierten Helden üben einen gewissen Charme aus, auch wenn (für den Zuschauer) schon nach kurzer Zeit klar ist, wer sich dahinter versteckt. Obwohl, eine große Überraschung am Schluss mit der niemand gerechnet hat! Insgesamt ein ansehnliches Debut von Alfonso Brescia im Italowestern, dem noch 4 Beiträge folgen sollten. In „Die Stunde der Aasgeier“ spielt Glenn Saxson einen ähnlichen Schnösel wie hier Ángel del Pozo.
Die Musik von Carlos Castellanos Gómez, einige Quellen nennen auch noch Carlo Savina als Co-Komponist (nach dem es mir eher klingt), liefert einen ganz passablen und wohl feilen IW-Soundtrack, zumal wir uns noch in der frühen Phase befinden!
Deshalb auch verdiente 7/10 Punkte!
Quelle: Englische Version auf YouTube mit einer Laufzeit von ca. 83 Minuten.
Es existiert keine deutsche Veröffentlichung, obwohl der Film 1966 in den deutschen Kinos lief und auch schon im TV gezeigt wurde. PIDAX bitte übernehmen Sie!!
Stimmen zum Film:
Christian Keßler in „Willkommen in der Hölle“:
„Dieser Western ist nicht ganz gut und nicht ganz schlecht. Die Story ist wenig originell, aber die Action fließt ganz manierlich. La Ley del Colt macht kaum etwas aus seinem Eisenbahn-Subplot und mischt stattdessen einige Zorro-Eskapaden hinzu… Indiz dafür, dass Brescia am Genre weniger gelegen war als an aufregenden Keilereien.“
Wissenswert:
Ángel del Pozo spielte u.a. in „Der Gehetzte der Sierra Madre“ Chet Miller, den wahren Mörder, mit dem berühmten Duell Messer gegen Gewehr mit Thomas Milian als Cuchillo.