Das Genre des Polizei/Gangsterfilms ist tot.
Das ist die allgemeine Ansicht, wenn man das Filmangebot der letzten Jahre mal objektiv betrachtet. Erst L.A.Confidential bewies das Gegenteil, löste aber keine neue Welle aus.
Und so verschwand auch sein direkter Vorläufer "Mulholland Falls" mehr oder weniger überall sofort von der Bildfläche, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Dabei hätte das Werk von Neuseelands US-Import Lee Tamahori durchaus Beachtung verdient.
Allein die hervorragende Besetzung, die bis in die kleinen Nebenrollen reicht, ist beinahe ein Unikum in Hollywood, wo beinahe alles auf einen Star zugeschnitten wird.
Hier sind es Nolte und Palmintieri, die das vierköpfige Polizeiteam anführen, die mit Sondervollmachten handeln dürfen, wie es ihnen gefällt.
Natürlich ist Nolte Dreh- und Angelpunkt der Handlung rund um den Mord an der "Prostituierten" Allison Pond alias Jennifer Connelly, denn er ist persönlich in die Affäre rund um heimliche Filmaufnahmen Prominenter verwickelt. So wird denn auch die Lösung des Falls für ihn zur Höllenfahrt und Katharsis gleichzeitig, denn er wird vieles verlieren, um mit diesem Fall aufzuräumen.
Der Rest des Teams mit Palmintieri, Michael Madsen und Chris Penn (reicht für drei Filme) verblasst dagegen ein wenig, aber wenigstens ersterer hat noch ein paar gute Szenen.
Als Verdächtige paradieren dann reichlich bekannte Gesichter wie Andrew McCarthy als schwuler Erpresser, Daniel Baldwin als FBI-Mann, Malkovich als General, Treat Williams als sein Untergebener und Melanie Griffith als Noltes Frau.
Jeder von ihnen hat ein paar gute Szenen, ehe das böse Spiel eine unerwartete Auflösung findet.
Leider muß man Tamahori zur Last legen, daß er den nicht sonderlich komplizierten (aber deswegen nicht unbedingt durchsichtigen) Plot extrem gedehnt inszeniert hat. Zwar ist es heutzutage geradezu wünschenswert, wenn sich ein Regisseur Zeit läßt, doch tun die behäbigen Szenen seinem Star Nolte nicht gerade gut, der eh ein eher robuster Star ist und seine besten Szenen hat, wenn er aus sich herausgeht.
Ihn praktisch in dramatischer Zeitlupe zu inszenieren beraubt den Mimen eines Großteils seiner Wirkung, da Nolte ohnehin hier etwas aufgeschwemmt daherkommt.
Als Ersatz erfreut die Regie sich offenbar an der Rekonstruktion der Epoche (späte 40er vermutlich), die sich in beeindruckenden Farben und Sets niederschlägt.
Das ist zwar optisch beeindruckend, aber manchmal etwas selbstverliebt und hindert die Geschichte, den nötigen dramatischen Drive zu entwickeln, den sie nötig gehabt hätte, um sich aus der Masse abzuheben. Zwar bleibt man stets am Ball, da ausreichend brutale Ausbrüche, den Plot am Einschlafen hindern, doch muß man sich tatsächlich durch die Story arbeiten (aber nicht mühen).
Auch wäre es sicher von Vorteil gewesen, die autarke Polizeitruppe in einen einleitenden Kontext zu setzen, so daß die Möglichkeiten der vier Männer und ihre dichte Bindung sich nur nebulös erschließen und lediglich in ein paar amüsanten Autogesprächen niederschlagen.
L.A.Confidential hat aus diesen Fehlern offenbar gelernt und kam dann mit weniger Stars, aber dafür konkreteren Charakteren in einer glasklaren Story heraus.
Trotzdem ist "Nach eigenen Regeln" kein schlechter Film, folgt jedoch einem seltsam eigenen, sehr ruhigem Rhythmus, in den man erst hereinkommen muß.
Sicherlich eine Ansicht wert. (6,5/10)