Die letzte Kugel traf den besten – Buffalo Bill, sein größtes Abenteuer
Spanien/Italien/Deutschland 1965
Regie: Joaquín Luis Romero Marchent
Ein Wiedersehen, dass (k)eine Freude macht!
Bill Cody (Rick van Nutter) wird vom Präsidenten der Vereinigten Statten höchstpersönlich damit beauftragt, die Umstände des Aufstandes der Comanchen zu untersuchen und wer ihnen die Winchester Gewehre liefert. Er führt daher einen Treck gen Silver City und da diese Aufgabe nicht ganz einfach ist, sucht er seine alten Freunde, Bill Hickok (Adrian Hoven) sowie Frank North (Mariano Vidal Molina), den weißen (Hautfarbe) Häuptling der befreundeten Cherokee auf, um ihm bei der Ermittlung der Drahtzieher behilflich zu sein. Da Hickok mehr oder weniger dauernd besoffen ist, gestaltet sich dies erstmal als schwierig, zumal dieser deswegen Probleme in seiner Beziehung mit Calamity Jane (Gloria Milland) hat. Unterwegs rettet Cody noch Pastor Liebermann (Francisco Sanz), dessen Schwester Cora (Helga Sommerfeld), die bei ihm Schmetterlinge im Bauch verursacht, sowie deren Begleiter Josef (Raf Baldassarre), einen von Pastor Liebermann bekehrten und getauften Indianer. Zusammen erreichen sie dann Fort Jackson und sind dort erstmal in Sicherheit. Cody sucht den Kommandanten auf und klärt ihn über seine Mission auf, während die Siedler weiterziehen und sich an einem See niederlassen und beginnen ihre Häuser zu bauen. Den Comanchen gefällt das ganz und gar nicht und sie greifen immer wieder Armeepatrouillen an, bei diesen Scharmützeln werden sie meistens zurückgeschlagen. Deswegen greifen sie die neue Siedlung an und töten dabei fast alle Bewohner, während Cora und Josef als Gefangene genommen werden. Cody sucht daher das Lager der Comanchen auf, siegt in einem Zweikampf und kann Cora befreien. Da der Waffenhändler Deedle (Antonio Molino Rojo) für Munitionslieferungen aber immer mehr Gold will und den Indianern dieses aus geht, beschließen sie, die Stadt Silver City anzugreifen und die dortigen Reichtümer an sich zu nehmen.
Was passiert mit Silver City?
Können die 4 weiteres Blutvergießen verhindern?
Wird der Frieden wieder hergestellt?
Wen trifft die letzte Kugel?
J.L.R. Marchent schuf mit diesem Film bereits seinen 4. IW, dem aber nur noch 2 folgen sollten, bevor er 1972 wohl seinen bekanntesten Film „Todesmarsch der Bestien“ ablieferte. Das Drehbuch entstand nach der Geschichte „Buffalo Bill y su epoca“ von Ángel de Zavala, ist aber voller Schwächen und Logikfehler. Die für diesen Film gedrehten Bilder in Almeria sehen fantastisch aus, warum aber wurden Lückenfüller eingebaut? Da ich mir vor kurzem die Teutonen Westernbox von Koch Media angeschaut habe, feierte ich ein Wiedersehen mit großen Teilen von „Die Goldsucher von Arkansas“ und „Die schwarzen Adler von Santa Fe“! Es wurden sehr viele Szenen des Trecks aus die Goldsucher und der Indianerangriffe aus beiden Filmen wieder verwendet. Da ein Hauptthema des Films der Waffenschmuggel zu den Indianern ist und diese laut Off-Sprecher dadurch sehr gut bewaffnet sind, mutet es grotesk an, wenn in diesen Szenen die Indianer meistens nur mit einem Tomahawk bewaffnet durch die Gegend reiten! Sollten Produktionskosten gespart werden zumal auch die deutsche Constantin beteiligt war, so dass eigentlich die Finanzierung gesichert war? Der Höhepunkt des Films ist eindeutig die Schlacht um Silver City und erinnert mich an den Hinterhalt in Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“. Relativ viel Action und blutige Gewalt, leider etliche Lückenfüller und Logikfehler, größtenteils fehlt auch die Ordnung, die Szenen wirken zusammenhanglos aneinandergereiht, Marchent hätte mehr daraus machen können.
Einige bekannte Gesichter in einer frühen Rolle im IW, Cris Huerta ist hier in einer Nebenrolle als Vater von 2 Töchtern zu sehen, der mit dem Siedlertreck ins Land kam. Raf Baldassarre spielt den schweigsamen Josef. In der deutschen Version haben die Protagonisten größtenteils andere Namen, Josef beispielsweise heißt international William und einige Szenen kommen nur in der deutschen Fassung jedoch nicht in der internationalen vor, während in der deutschen Fassung wiederum der Prolog der Jugend von Bill, Bill und Frank fehlt. Aber würde es Sinn machen, den Film zu ergänzen und zu komplettieren, ob er dadurch besser wird? Meine Wertung: 4,5/10.
Die Musik von Angelo Francesco Lavagnino ist sowohl im großartigen Hauptthema als auch in den übrigen epischen und lyrischen Kompositionen, die im Film zu hören sind, eindeutig klassischen Western verpflichtet, aber nichts desto trotz hörenswert!
Stimmen zum Film:
Der Evangelische Film-Beobachter hat keine gute Meinung von dem Streifen: „Der mit Archivmaterial aufgelängte Wildwestfilm um Weiße und Comanchen in ihren Auseinandersetzungen nach 1878 erweist sich als ein mit unzulänglichen Mitteln gestalteter ausgemachter Schmarren. Er ist nicht einen Pfennig wert.“ Da stimme ich dem Evangelische Film-Beobachter, fast, voll zu!
Medium:
Die DVD von AVU mit einer Laufzeit von ca. 72 Minuten mit einer mäßigen Bildqualität (VHS-Niveau), es dürfte sich um die stark gekürzte deutsche Kinoversion handeln.