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Die 80er sind noch nicht tot… immer noch nicht… Nein… Immer noch nicht… 

Auch wenn die 90er in vielen Bereichen der Popkultur (Mode) langsam übernehmen oder schon längst haben (Radiohits) - in Sachen Horror oder gar Slasher geht nichts über die 80er. Immer noch nicht. Trotz Revival von „Scream“ und „I Know What You Did Last Summer“. Das wissen auch die Experten von Shudder nur allzu gut. Und somit lässt die versierte Streaminggruselproduktionsschmiede mit „Night of the Reaper“ einen unheimlich klassischen, gemächlichen, originalgetreuen Throwback in diese Zeiten vom Stapel, in der ganz carpenter'esk und cool eine US-Kleinstadt samt Cops und vor allem süßer Babysitterin von einem maskieren Killer mit Knochenmannmaske terrorisiert werden. Nicht am Abend des 31. Oktober. Aber wohl nah genug dran… 

(Don't Fear) The Reaper

Ich weiß nicht genau, für wen „Night of the Reaper“ gemacht wurde. Er ist nicht besonders brutal. Er ist weder modern noch natürlich the Real Deal von damals. Er lässt sich Zeit (allein das Intro bzw. Vorgeplänkel geht über 10 Minuten), die Killermaske ist etwas schwach, der Bodycount schießt kaum in die Höhe und die Twists gegen Ende werden auch niemanden aus der Höhle drücken. „Night of the Reaper“ ist unheimlich mild und zugänglich in allem was er macht und anfasst. Und daher muss ich im Endeffekt wohl einfach sagen: für mich scheint der gemacht! Slasher Comfort Food. Nichts Neues, nichts Gewagtes, nichts Herausstechendes. Und gerade deshalb so easy zu konsumieren und abzunicken. Denn richtig falsch macht er auch nichts. Er ist trotz allem kein Kindergeburtstag. Er hat die Ruhe weg. Er lässt sich Zeit. Er baut Figuren und Spannung auf. Er hat von den Besten gelernt und ahmt diese nach bestem Wissen und Gewissen nach. Er ist eine kleine, feine family affair der Slashergemeinschaft, die längst nicht mehr ausschließlich die rote Körperflüssigkeiten als neue Tapete genutzt sehen muss. Es geht auch wesentlich weicher und wohlwollender. Manchmal hat er mich sogar eher an Ti Wests „House of the Devil“ (also eher 70s) erinnert als an spätere, effekthaschendere Slasher aus den 80s. Sehr sympathisch. 

Fazit: kompakter, kompetenter und fast schon einsteigerfreundlicher Retroslasher mit genug Ruhe, Charakteraufbau, Verständnis und Liebe für seine Vorbilder, Style und Halloweenfeeling. Reißt keine Herbstbäume raus, trotzdem ganz klar eine milde Empfehlung für nächsten Monat - zumindest für die meisten, die eh schon hier gelandet sind… 

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