Sie sind jung, sie sind verliebt, und sie wollen heiraten. Aus diesem Grund haben sich Charlie Sykes (Chad Lowe) und Rachel Clark (Kristy Swanson) klammheimlich aus dem Staub gemacht, um in Las Vegas den Bund fürs Leben zu schließen. Als zufällig ein Streifenpolizist ihren Weg kreuzt, entscheidet sich der nervöse Charlie spontan, auf eine alte, kaum befahrene Landstraße auszuweichen. Obwohl ihnen der freundliche alte Sam (Richard Farnsworth) an der Tankstelle dringend davon abrät, diese Straße zu benutzen, setzen die beiden Turteltauben ihre Reise fort, und es kommt, wie es kommen muß. Ein sekundenkurzes Nickerchen zur falschen Zeit am falschen Ort, und schon taucht wie aus dem Nichts Sergeant Bedlam (C.J. Graham), der Höllenbulle, auf, der Charlie K.O. schlägt und Rachel in seine Karre verfrachtet. Als Charlie aus der Bewußtlosigkeit erwacht, ist der mysteriöse Cop samt Rachel längst weg. Hilfesuchend wendet sich der verzweifelte Bursche an den Tankwart, der ihm offenbart, daß ihm vor langer Zeit mit seiner großen Liebe Clara (Pamela Gidley) exakt dasselbe passiert ist. Um seine Geliebte zurückzuholen, gibt es nur einen einzigen Weg: Charlie muß sofort die Verfolgung aufnehmen, und die führt geradewegs in die Hölle...
Ate de Jongs launiges Fantasy-Horror-Road-Movie entführt den Zuseher in eine unwirtliche Unterwelt, die von einem schrillen Panoptikum von Charakteren bevölkert wird, welche unserem Helden entweder das Leben schwer machen oder ihm helfend unter die Arme greifen. Ein wahnsinniger Eisverkäufer, der Hirn für sein Zitroneneis verlangt, eine Motorradgang, die Gefallen sammelt, ein so häßlicher wie geiler Dämon, der sich als Rachel tarnt, ein undurchsichtiger Mechaniker namens Beezle (Patrick Bergin)... langweilig wird es Charlie Sykes in der Unterwelt, die überwiegend aus einer kargen, postapokalyptisch anmutenden Wüstenlandschaft besteht, garantiert nicht. Als Zuschauer darf man sich über einige bekannte Gesichter freuen, die uns den Aufenthalt in der Hölle in Form von Cameoauftritten versüßen. Zu sehen sind unter anderem diverse Stillers (Jerry, Amy, Ben (als Attila der Hunnenkönig) und Anne Meara), Rockröhre Lita Out for Blood Ford (die stolz ihr beachtliches Dekolleté vorführt) sowie Gilbert Gottfried als Adolf H., der mit seinen wirren Reden sowohl Attila als auch Cleopatra tierisch nervt.
Die Hölle wird als verzerrtes Spiegelbild der Erde dargestellt, mit Werkstätten, Cafés, Fabriken, Stripschuppen, Fernsehsendungen usw., die jedoch alle etwas anders funktionieren als gewohnt. So wird übelschmeckendes Stinkbier serviert, im TV läuft die beliebte Sportsendung "Bowling für Armamputierte", und wer es wagt, den Stripperinnen an die Titten zu fassen, wird mit einer feurigen Überraschung belohnt. Der verschlagene Teufel höchstselbst hat seine manipulierenden Finger natürlich ebenfalls im Spiel, und so läuft das Ganze am Ende auf ein letztes, alles entscheidendes Wettrennen hinaus. Freiheit oder ewige Verdammnis, der Einsatz ist hoch.
Im Gegensatz zu Charlie, der das Letzte aus seinem Wagen herausholt, fühlt sich Highway to Hell so an, als wurde er jaulend im vierten Gang dahin preschen und sich nicht trauen, in die Fünfte hoch zu schalten. Es fehlt dem Streifen, dessen Drehbuch übrigens von Brian Helgeland (Payback) stammt, einfach an Pep, Power und Drive. Zwar ist alles schön anzusehen und bisweilen auch sehr amüsant und charmant, aber richtig mitreißend wird das Geschehen trotz der gut aufgelegten Darsteller leider nie. Dazu kommt, daß sich aus den diversen, teils einfallsreichen Set-Pieces, an denen sich der Streifen recht geschickt entlang hangelt, kein homogenes Ganzes ergeben will. Zu beliebig sind die entsprechenden Sequenzen, wie eine schrille Nummernrevue, die ob der schrägen Ideenvielfalt zwar staunen macht (die "Hand"-Schellen sind herrlich, die Diner-Szene rockt, und für die kurze aber geniale Sequenz, in der Dutzende von VW-Käfern zum Einsatz kommen, gibt es einen dicken, fetten Extrapunkt!), die jedoch nicht darüber hinweg täuschen kann, daß der Schein größer ist als das Sein.
Der in Arizona gedrehte Highway to Hell erweckt den Eindruck, als hätten die Produzenten die Zügel recht straff gehalten, um dem Regisseur nur ja nicht zu viel Auslauf zu gewähren. Denn obwohl die eine oder andere weibliche Brust zu sehen ist und auch ein klein wenig Blut vergossen wird bzw. Körper zerstückelt werden (der Häcksler!), bleibt der Streifen für meinen Geschmack immer eine Spur zu brav und zu glatt gebügelt. Keine Frage, Highway to Hell ist ein sehr nettes, sehr unterhaltsames, sehr harmloses Filmchen, das niemandem weh tut. Ich wünschte nur, er wäre mehr als das.