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Wer gewinnt - Ein tollwütiger Schimpanse oder eine Gruppe hohler Teenager?

Schon mit seinen zumindest stylischen Ablegern zu "The Strangers" und "47 Meters Down" konnte Johannes Roberts eigene Akzente setzen und recht spaßige, wenn auch oberflächliche Ableger ihrer Horrorreihen anbieten. Das hat völlig zurecht Fans gefunden oder einigen Zuschauern zumindest einen launigen Freitagabend beschert, selbst wenn ich persönlich noch nicht seinen großen qualitativen Durchbruch fühlen konnte. Seine Visitenkarte hatte ich aber schon damals behalten, metaphorisch gesprochen. Doch nun liefert er meiner Meinung nach mit "Primate" seinen bisher besten Film und einen der launigsten, rotzigsten "Januarhorrorfilme" seit Ewigkeiten - wenn ein kleiner, eigentlich ganz süßer Affe tollwütig auf seine steinreiche Besitzerstochter und ihre Clique losgeht an einem düsteren Wochenende in ihrer Luxusvilla am Meer...

Mein Killeraffe Charlie

Ihr kennt das, am Anfang des Jahres wird gerne mal der "Horrorschrott" der Filmstudios ins Kino gekippt, da dort die Konkurrenz (gerade im Genrebereich) noch recht übersichtlich ist, das Publikum gnädig und auch wirtschaftlich "Flops" einfach mehr oder weniger abgeschrieben werden. Deswegen ist's für uns Horrorheads jedes Jahr gleichermaßen lustig wie qualvoll das durchzustehen. Aber "Primate" ist das erstaunlich gelungene Gegenbeispiel zu dieser ungeschriebenen Regel des modernen Hollywoods. Ein bisschen jetzt schon der diesjährige "Final Destination: Bloodlines". Kurz, knapp, dumm, fun. Wer also vor Jahrzehnten schon etwas mit "Link, der Butler", "Monkey Shines" oder "Shakma" und Co. anfangen konnte, mehr von der intensiven Schimpansenszene in "Nope" wollte und (teils) CGI-Tieren nicht gänzlich abgeneigt ist, der kann mit "Primate" lockerflockig und saftig einen guten Abend haben. Keinen Zweifel daran. Die Kills reißen genug Fleisch von den Körpern. Es gibt nahezu kein Gramm filmisches Fett an "Primate". Die Teenager bzw. jungen Erwachsenen sind zwar etwas plump und dumm, aber jetzt nicht alle totale Asis und Kotzbrocken. Trotzdem freut man sich genug über jeden spektakulären Kill, jede Verfolgungsjagd, jeden Biss in den Nacken. Der Terror, das Tempo, die Anspannung sind durchgehend hoch genug. Ein kleiner arschiger Adrenalinpumper und splattriger Spaßmacher. Das luxuriöse Strandanwesen ist weiteres Augenzucker. Und Roberts steht auf Synthies, Kurzweile und Retrostyle ohne diesen komplett in den Mittelpunkt zu rücken. Eine schöne Fusion von damals und heute. Zudem wird Gebärdensprache intelligent eingefügt, der Affe sieht meist sehr solide aus für sein in Blut getunktes (und erstaunlich selten computergeniertes!) Fell und bei ein paar Bierchen ist "Primate" für genug Lacher, Grinsen und "Wows!" gut, nimmt sich dabei aber erfreulich ernst genug um nicht reinster Trash zu sein und etwas Mitleid mit dem eigentlich herzensguten Tier und Familienmitglied (!), das für seinen Zustand ja nichts kann, schwingt auch mit. Plus: Er kommt auch beileibe nicht die ganze Zeit aus dem PC, ganz im Gegenteil! Das schwimmt alles weiterhin höchst an der Oberfläche und muss sicher als filmisches Fast Food abgestempelt werden. Aber eben in gut und für manche Abende sättigend genug.

Home Invasion von innen, aus dem Herzen unseres Vorfahren

Fazit: "Primate" ist effektiv, kompakt, blutig und ein großer Spaß - zumindest wenn man mit anderen "Horrorfilmen" vergleicht, die einem sonst so den filmischen Jahresstart "versüßen"... Erwartungen ausbalancieren oder gar tief halten und gut unterhalten werden. Fertig. Aber wer hier "Der Pate" erwartet macht sich eh zum Affen.

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