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Anno 2005 hätte man dem britischen Regisseur Johannes Roberts eine derartige Karriere niemals zugetraut, denn sein Debüt “Forest of the Damned“ versagte auf ganzer Linie. Doch es folgten Achtungserfolge wie „47 Meters Down“, während „Primate“ ein gutes Beispiel dafür abgibt, wie Tierhorror in seiner effektiven Art ausfallen kann.

Hawaii: Lucy besucht ihre Familie nach langer Zeit wieder und begrüßt vor allem den Hausschimpansen Ben recht freudig, welcher im Zuge wissenschaftlicher Untersuchungen sogar Teile der Gebärdensprache beherrscht. Doch dann fängt sich der Affe Tollwut ein und eine Poolparty gerät zum Alptraum…

Wenn man bedenkt, dass die Kraft eines Schimpansen die eines Menschen rund um das Doppelte übertrifft, kann so ein Tier in prekärer Situation locker zur tödlichen Gefahr mutieren. Die Umsetzung des tierischen Antagonisten erfolgte mithilfe eines Schauspielers via Animatronics, was der Erscheinung nicht nur mehr Mimik, sondern eine spürbare physische Wucht verleiht. Mal abgesehen von dem zeitweiligen Schnauben, welches eher an einen Dinosaurier erinnert, kommt Ben weitgehend authentisch und gleichermaßen präsent daher, - obgleich er innerhalb des eher minimalen Settings mitunter nicht sogleich zu erkennen ist.

Innerhalb dessen handeln zwar eher Stereotype, was mit dem kurzfristigen Besuch zweier Honks nicht besser wird, doch immerhin gibt es mit dem taubstummen Vater einen angenehm geerdeten Charakter, der für den Zusammenhalt der Familie sorgt. Zudem konzentriert sich das Geschehen nach eher kurzem Vorspiel auf die Konfrontation zwischen Tier und Menschenopfer, was nach geraumer Zeit einige intensive Momente hervorbringt, - nicht nur auf der Gewaltebene. Denn hier wird Gesichtshaut abgezogen, Knochen gebrochen, Schädel zertrümmert und ein Unterkiefer entfernt, was mit größtenteils praktischen und sauber umgesetzten Effekten einhergeht.

Regisseur Roberts gab im Zuge seines Tierhorrors an, speziell von Kings „Cujo“ beeindruckt zu sein, was nicht selten zu kleinen Parallelen führt. Während Personen im Pool sind und nicht heraus können, erinnert dies an das Auto, in dem man sich vor dem tollwütigen Bernhardiner verschanzen muss, während das Verlassen des Domizils stets mit Lebensgefahr verbunden ist. Die atmosphärische Kulisse, - die Villa liegt direkt an einer erhöhten Felsklippe, bietet zudem genügend dunkle Winkel, um zwischenzeitlich ein perfides Versteckspiel anzuzetteln.

Zwar finden sich im finalen Akt kaum dramaturgische Steigerungen und einige Verläufe fallen erahnbar aus, doch das Spannungspotenzial ist enorm hoch und hält die Konzentration aufs Wesentliche gekonnt aufrecht. Passable darstellerische Leistungen, ein Synthie-Score mit 80er Vibes und ein durchweg gekonntes Handwerk runden die kurzweilige Sache (Abspann bereits nach 83 Minuten) ab.
7,5 von 10

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